Montag, Mai 21, 2012

»Bewußte Absage an das Zweite Vatikanische Konzil!«

[Peter Esser] Katholikentag in Mannheim. Ich lasse die Pressemeldungen und Zeugnisse Revue passieren. Beziehe ich mich auf die vielen begeisternden Zeugnisse der Freunde und Bekannten, die dort gewesen sind, und die bereichernde Vielfalt der Kirche erfahren haben? Ich würde es gerne. Doch bedrückt mich an dieser Stelle eine unerwartet engherzige und intolerante Stellungnahme, die ich so nicht für möglich gehalten hätte.

Am gestrigen Sonntag, um 17:30 Uhr wurde Alois Glück im ARD-Magazin »Gott und die Welt« vom freikirchlichen Theologen Andreas Malessa zu seinem Fazit der Tage in Mannheim befragt. Neben einigen Themen ging es auch um ein, am Rande des Katholikentags von der Priesterbruderschaft St. Petrus gefeiertes Amt in der sogenannten Außerordentlichen Form des Römischen Ritus.

Nach einer kurzen Einspielung, die das Levitenamt dokumentierte (»Das ist keine gemeinsame Feier der Gläubigen. Das ist das Meßopfer, dem die Gläubigen beiwohnen«, wußte die Kommentatorin zu sagen) gab der evangelisch-freikirchliche Theologe Andreas Malessa die Frage an Alois Glück weiter:

Malessa: »Traditionalisten auf dem Katholikentag in Mannheim: Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees Deutscher Katholiken und »Mr. Katholikentag«, sozusagen: Haben Sie die als Kompromiß eingeladen, oder mußten Sie’s? Oder wollten Sie’s?«
Glück: »Sie sind nicht im Rahmen des Katholikentagsprogramms. Das ist eine Gemeinde, die hier ohnehin ihren Gottesdienst so feiert und von daher gesehen natürlich auch ihr geistliches Leben weiterführen soll. Aber es wäre im Rahmen des Katholikentags auf keinen Fall im Programm, denn es geht ja nicht um die Frage ›Latein oder Deutsch‹, sondern dahinter steckt ein ganz anderes Verständnis von ›Volk Gottes‹, ein ganz anderes Verständnis von Eucharistiefeier– und insofern geht’s hier nicht um die Art wie man singt oder in welcher Sprache man betet. Sondern das ist eine Absage, eine bewußte Absage an das Zweite Vatikanische Konzil. Und deshalb hätte es bei uns keinen Platz im Katholikentagsprogramm.«

Der Katholikentag in Mannheim stellte sich als lebendiges, buntes Fest des Glaubens, als ein Fest der Ökumene und des Miteinanders christlicher und außerchristlicher Kulturen dar. Umso mehr muß es erstaunen, derartig undiplomatische und harsche Worte der Ausgrenzung aus dem Mund der Verantwortlichen zu hören.

Anders sprach noch das zitierte Zweite Vatikanische Konzil® (und zwar das echte!) noch von der Liturgie. Ich will nicht die Spannung zwischen

  • dem Auftrag des Konzils, die Heilige Liturgie neu zu ordnen,
  • dem Anspruch der Liturgiereform, den Auftrag des Konzils erfüllt zu haben
  • und der gängigen liturgischen Praxis

nach eigenem Gutdünken parteiisch auflösen. Mir scheint aber doch, daß im redaktionellen Kommentar der ARD ein künstlicher Widerspruch zwischen »Meßopfer« und »Feier der Gläubigen« konstruiert wurde, den ich mit dem Wortlaut von Sacrosanctum Concilium nicht zusammenbringen kann:

Um dieses große Werk voll zu verwirklichen, ist Christus seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen. Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht - denn »derselbe bringt das Opfer jetzt dar durch den Dienst der Priester, der sich einst am Kreuz selbst dargebracht hat« -, wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten. Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so daß, wenn immer einer tauft, Christus selber tauft. Gegenwärtig ist er in seinem Wort, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden. Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat:
»Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen« (Mt 18,20). (SC I,7)

Herrn Glück möchte ich mit den befreiend schlichten Worten Benedikts XVI antworten:

Es gibt keinen Widerspruch zwischen der einen und der anderen Ausgabe des Missale Romanum. In der Liturgiegeschichte gibt es Wachstum und Fortschritt, aber keinen Bruch. Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein. Es tut uns allen gut, die Reichtümer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort zu geben.
(Begleitbrief zum Motu Proprio Summorum Pontificum)

»Unser Mund hat sich für euch aufgetan, Korinther, unser Herz ist weit geworden. In uns ist es nicht zu eng für euch; eng ist es in eurem Herzen. Laßt doch als Antwort darauf … auch euer Herz weit aufgehen!« (2 Kor 6, 11–13).

Kommentare:

  1. Lieber Peter Esser, vielen Dank für den aufschlußreichen Post!

    Neben der dreisten Verleumdung der FSSP und dem Zeugnis der in Tat bedrückenden Intoleranz des ZDK - Funktionärs Alois Glück , ist nun auch klar: die beiden "alten" Messen beim K - Tag gehörten doch nicht zum Programm und offenbar Gläubige, die durch das MPSP 2007 voll rehabilitierten tridentinischen Messen bevorzugen nicht zur katholischen Kirche in der Lesart des ZDK.

    Viele Grüße

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  2. Herr Glück kennt offensichtlich sein eigenes Programm nicht:
    http://www.katholikentag.de/programm/programmdatenbank.html?tx_saltpgh_pi1[showUid]=1546

    Übersetzt für die Internetausdrucker in der Spitze des ZdK: Seite 378 in der Papierversion des Programms.

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    1. Danke, Dybart, das ist mir auch schon aufgefallen. Wir hatten das Thema ja schon auf Facebook geklärt. Zumindest eine der beiden Messen in der Außerordentlichen Form war ausgewiesen. Aber Herr Glück argumentiert hier als Kirchenpolitiker. Und macht kirchenpolitisch steile Ansagen.

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    2. Na ja, dieser Hinweis auf eine der beiden Messen, heißt offenbar nicht, daß das ZDK diese als Teil offiziellen Programms ansah, und die Messe mit Pfr.Jolie war ja gar nicht angekündigt.
      Wie auch immer, dieser Punkt ist fast nebensächlich angesichts Glücks Statement in der ARD.

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    3. Besonders irritierend war für mich, dass er diese Aussagen offenbar problemlos tätigen konnte, direkt nachdem er sich lang und breit über die Buntheit, Vielfalt, gegenseitige Akzeptanz und Offenheit auf dem Katholikentag ausgelassen hat.

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  3. Ich sehe jedenfalls, daß es einmal Zeit wird für einen Post »Warum ich zur Konfraternität der Priesterbruderschaft St. Petrus gehöre«.

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    1. Oh, ein Mitbruder...

      Gute Idee!

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    2. Ich glaube, da mache ich dann mit. :-)

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  4. Offenbar scheint Glück den Unterschied zwischen Petrusbrüdern und Piusbrüdern nicht zu kennen.

    Aber, eine dumme Frage: Ist das nicht auch eine in der Petrusbruderschaft verbreitete Sicht: "Das ist keine gemeinsame Feier der Gläubigen. Das ist das Meßopfer, dem die Gläubigen beiwohnen."

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    1. Lieber MartinO,

      ich habe leider keine Quelle zur Hand, aber es gibt die eine oder andere Katechese über die wahre "participatio actuosa" nämlich das aktive Hören und Sehen und innerliche Begleiten der Meßfeier.

      Leider wird die "participatio actuosa" oftmals zu einer "participatio activissima" umdefiniert und das Heil der Welt in sinnverdeckenden Aktivismen und Egobefriedigungen gesucht. Als Beispiel sei hier genannt, ein Priester mit ca. 40 Jahren ohne körperliche Einschränkung, der sich nach Spendung der Kommunion an die zwei Meßdiener und die Kommunionhelfer sich auf die Sedilie setzt, als die Gemeindereferentin nebst 4 weiteren KommunionhelferInnen über 50 Jahren zuschaut, wie die Kommunion an die weniger als 50 anwesenden Personen reichen.

      Die "gemeinsame Feier der Gläubigen" kann zwei Bedeutungen haben:
      Die anwesenden Gläubigen feiern das Meßopfer mit, daß vom Priester in personam Christi dargebracht wird

      oder

      Die anwesenden Gläubigen feiern sich gegenseitig wie nachkonziliar sie sind, geopfert wird hier nicht

      Was meinen Sie wo welche Interpretation vorherrscht bei der Petrusbruderschaft und bei der Durchschnittsgemeinde in ZdK-Land?

      :-)

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    2. Lieber Marcus,

      wenn ein Priester, der gesundheitlich nicht eingeschränkt ist, sich setzt, während Laien die Kommunion austeilen, finde ich das auch nicht in Ordnung; erlebt habe ich das in dieser Form allerdings noch nie.

      Ich kenne wohl das Weiterreichen der Hl. Kommunion in Messen der KHG oder bei Jugendwallfahrten, was aber nicht auf die Gemeindesituation zu übertragen ist.
      In der Gemeindemesse habe ich es genau bei einem Priester erlebt, dass er nicht selbst Kommunion austeilte; der war allerdings bereits emeritiert und brauchte Hilfe, um die Altarstufen hinauf- oder hinabzusteigen.

      Es ging mir auch nicht darum, die Petrusbruderschaft zu kritisieren, sondern meine Frage bezog sich auf deren Selbstverständnis. Sieht sie selbst die Gläubigen als Mitfeiernde oder als Beiwohnende?

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    3. Der Vollständigkeit halber auch an dieser Stelle zur Ergänzung:

      http://frischer-wind.blogspot.de/2012/05/alte-messe-keine-gemeinsame-feier-der.html

      und
      http://frischer-wind.blogspot.de/2011/08/tatige-teilnahme.html

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  5. Jetzt aber schnell! Wo ist noch gleich das Button für die Seitenleiste, dass mich das ZDK nicht vertritt?!?!... muss ich kurz einbauen gehen....!

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  6. Ist doch wirklich gut zu hören, daß man nicht spinnt weil man sich verfolgt und ausgegrenzt fühlt sondern daß das genau so ist.

    Das erklärt auch warum die Heilige Messe am Freitag nicht unter Gottesdienste firmierte. Das ZdK hält offenbar nicht die Zwiesprache mit Gott, wie sie in der gemeinsamen Anbetung der Gemeinde mit dem Priester in der gregorianischen Messe zelebriert wird für Gottesdienst, sondern ausschließlich das Feiern der Gemeinschaft untereinander, mit möglichst viel Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung. Wirklich arm.

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    1. "Spinnen" würde ich nicht sagen. Im Psycho-Jargon nennt sich sowas "self-fulfilling prophecy". Wer für sich bleiben und mit dem Rest nix zu tun haben will, entwickelt mit der Zeit das Gefühl, die anderen wollten das auch nicht. Ein Teufelskreis halt.

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    2. Hier gab es ja, nachprüfbar und deutlich formuliert, eine Ausgrenzung. Man sollte das nicht wegreden, finde ich. Meiner Erfahrung nach kann man gegen Ausgrenzungen einiges tun. Ich halte es für richtig, sie erst einmal festzustellen.

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  7. Genau diesen Ausschnitt habe ich heute per Zufall bei Phoenix gesehen und wollte meinen Ohren nicht trauen. Weiß Alois Glück es einfach nicht besser (dann allerdings fragt man sich, warum nicht?) oder nimmt er die Unwahrheit billigend in Kauf?

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    1. ich fürchte, letzteres, ersteres wäre aber noch schlimmer.

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    2. Nein, es liegt einfach daran, dass im Programm auch Veranstaltungen verzeichnet waren, die nicht vom KT veranstaltet wurden, sondern von anderen Organisatoren ausgerichtet wurden und nur anlässlich des KT in Mannheim stattfanden. Sie wurden von Fall zu Fall an gesonderter Stelle ebenfalls ins Programmheft aufgenommen. Deshalb die seltsam anmutende Überschrift "Veranstaltungen aus Anlass" in der Programmdatenbank. Deshalb firmierte diese alte Messe nicht unter "Gottesdienste", sondern in der o.gen. Sonderrubrik.

      Glück hat also im Prinzip nichts Falsches gesagt, denn diese Messe gehörte eben nicht zum eigenen Programm des KT, sondern war eine getrennt davon unter Verantwortung eines anderen Trägers (nämlich "Pro Missa Tridentina") angebotener Gottesdienst, der nur rein informationshalber mit im Heft verzeichnet war.
      Glück war insoweit vielleicht falsch informiert oder hat sich missverständlich ausgedrückt, als er offenbar meinte, diese Gruppe feiere ihre alte Messe generell oder regelmäßig in Mannheim, jedenfalls konnte man ihn so verstehen. Das stimmt wohl nicht, sie hatten sich extra wegen dem KT in Mannheim eine Kirche besorgt. Das ändert aber nichts Wesentliches an der Sachlage. Sie feiern ihre Messe regelmäßig und unabhängig vom KT, aber eben nicht in Mannheim, sondern in Mainz (glaube ich).

      Das ZdK und Glück waren für den Gottesdienst jedenfalls nicht verantwortlich und er gehört von daher also nicht zum offiziellen Programm. In ähnlicher Weise können etwa auch manche Veranstaltungen kirchenkritischer Gruppen im Programmheft angegeben sein, die in eigener Regie dieser Gruppen am Rande des KTs stattfinden.

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    3. Die Unwahrheit besteht nicht darin, daß Herr Glück nicht über die Einzelheiten des gedruckten Programms informiert war – das ist mehr als verständlich, sondern daß er nach der Einspielung des redaktionellen Beitrags verkündete, das sei »eine Absage, eine bewußte Absage an das Zweite Vatikanische Konzil«. Die Ausgrenzung besteht darin, daß Herr Glück (zumindest seiner Intention nach; ob es im wirklichen Programm auch so aussieht, mag dahinstehen) eine Teilnahme von ecclesia-dei-Gruppen am Katholikentag ausschloß.

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  8. My 2 cents: http://invenimus.blogspot.de/2012/05/eine-neue-eucharistie.html

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  9. Also ich verrat euch mal was.
    In der Pfarrei Maria Hilf in Mannheim findet normalerweise keine tridentinische Messe statt, da irrt der Herr Glück.
    Aber der Pfarrer dort ist ein Freund eines Pfarrer (nicht Hw Jolie und auch nicht P. Deneke) dem nach langem HinundHer erlaubt wurde für eine Gemeinde, die das schon seit über 20 Jahren tut, in der außerordentlichen Form zu zelebrieren. (ich erspare jetzt die Details)
    Auf jeden Fall über diese persönliche Schiene kam es zu den tridentinischen Messen.
    Das diese Gemeinde überhaupt existiert ist ein Wunder und ich kann nur sagen der Alterdurchschnitt ist so, das jede "normale" Gemeinde darauf neidisch wäre und es sind auch immer wieder Studenten Leute mit Migrationshintergund in der Messe!
    Im übrigen ist es eine ungeheure Arroganz die der Herr Glück da an den Tag legt.
    Er sagt nämlich implizit, das die Kirche liturgisch bis zum 2ten Vatikanum ein falsches Verständnis von Liturgie gehabt hätte.
    Soweit ich das kapiert habe, sind nämlich die byzantinischen Riten noch älter und da verschwindet der Priester sogar hinter der Ikonostasie und das Volk darf noch nicht mal "et cum spiritu tuo" oder "Amen" sagen und auch nix singen.

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    1. Das liebe Ester ist wahr- auch wenn sie die Antworten ( außer dem Amen natürlich) in Kirchengriechisch geben würden, wenn sie dürften.
      Die Orthodoxe Liturgie ist seit altersher unverändert- alle Priester höherer Weihegrade zölibatär und aus den Mönchsorden, keine Frauen weit und breit -darüber greinen und jammern unsere Aufbrecher ebensowenig wie die sie propagierenden Medien.
      U.a. weil sie es schlicht nicht wissen, wie so vieles andere auch.
      Den Glücks geht es auch nicht so sehr um liturgische Fragen als um die Macht- sie wollen eine deutsche von Rom abgespaltene Nationalkirche von ihren Gnaden.

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  10. Bemerkenswert, wie Herr Glück einerseits noch so vollmundig im DLF erklärt, er und die Seinen schlössen niemanden aus (die Bösen sind natürlich die anderen!) und dann plötzlich klar und deutlich sagt, wer nicht dazugehört. Wirklich bemerkenswert offen!

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