Samstag, Dezember 29, 2012

Stephanus-Predigt, nachträglich.

[Von Bastian]
Es war wie üblich: Stephanus‘ Martyrium so kurz nach Weihnachten war der Stimmungskiller schlechthin.
In der schön dekorierten Kirche, direkt vor dem erleuchteten Weihnachtsbaum ein paar Meter rechts von der liebevoll aufgebauten Krippe, um die die geschnitzten Schäfchen kauern, wird zwischen zwei Weihnachtsliedern vorgelesen, wie ein heldenhafter Christ von einer Meute religiös Verstockter langsam umgebracht wird.
Der Geistliche bemüht sich in der Predigt wie immer redlich, den Kontrast verständlich zu machen. Die Auswahl an Argumenten ist übersichtlich: man dürfe nicht in der Weihnachtsromantik hängen bleiben, Leiden und Tod gehörten auch zum Leben, das Leben der frühen Christen sei nun einmal schwer und gefährlich gewesen, diese Lesung sei halt an diesem Tag, der Bericht verweise schon jetzt auf das Kreuz.
Nicht, dass ich diese Predigten schlecht fände – vor allem der letzte Punkt hat einiges, was mich ans Nachdenken bringt. Doch hat meine Frau mich dieses Jahr mit einer Aussage zu Stephanus überrascht, die ich so noch nicht gehört hatte, die mich aber überzeugt und für die ich ihr sehr dankbar bin.

Die Lesung von Stephanus stellt keinen Kontrast zu Weihnachten dar – im Gegenteil schließt sie die Weihnachtsbotschaft erst ab. Denn der Himmel, der sich in der Heiligen Nacht über der Welt öffnete und den die Hirten im Chor der Engel offen stehen sahen, zeigt hier, dass er weiterhin offen ist.
Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. (Apg 7, 55-56)
So oft ist von der großen Demut der Hirten und dem Heldenmut des Stephanus die Rede, doch viel zu selten wird das betrachtet, was die Ursache für beides ist: der offen stehende Himmel. Der Himmel muss schon etwas faszinierendes sein, wenn die Hirten alles stehen und liegen lassen, sobald sie die Engel sehen und hören, und Stephanus sterben und vergeben kann, wenn er ihn offen stehen sieht. Das Glück, ihn wahrzunehmen, war die Kraft, die beide erfüllte. Die Lesung von Stephanus zeigt, was es tatsächlich bedeutet, dass der Himmel zu uns kam: dass er sich nach Weihnachten nicht wieder verschloss.
Weihnachten: Gott kommt zu den Menschen. Stephanus: Menschen kommen zu Gott.
Weihnachten: Gott zeigt sich im Leben. Stephanus: Gott zeigt sich im Sterben.
Weihnachten: Gott ist im Anfang. Stephanus: Gott ist im Ende.
Für uns: in unserem Anfang wie in unserem Ende zeigt sich Gott. Der Himmel ist offen. Immer und überall.

Stephanus zeigt, was Gott zu Weihnachten will: nicht nur lieblich kommen, sondern alles überwinden, was es an Dramatik im menschlichen Leben gibt, selbst den Tod. Für mich ist die Kombination von Weihnachten mit Stephanus eine der genialsten, die ich kenne.

Donnerstag, Dezember 27, 2012

Weihnachtsgedanken

[Von Bastian]
Wir Menschen sind schon was Cooles!
Einer von uns ist zugleich Gott!!

Sonntag, Dezember 23, 2012

Lass es...

Lass es wie einen Unfall aussehen!

(Mein Sohn zu mir, als ich in Begriff bin einen Schokonikolaus anzubrechen...)

Freitag, Dezember 21, 2012

Pfeifen austauschen

[Von Bastian]
Um ein Haar wäre es unseren Kirchenorgeln an den Kragen gegangen.(LINK)
Die EU tut wieder einmal, was sie am besten kann: regeln. Mit viel guter Absicht. Blei, bekanntlich giftig, soll aus Elektrogeräten verschwinden. Eine gute Sache, denn das Zeugs belastet Benutzer und Umwelt. Fragt sich nur, was ein Elektrogerät im Sinne dieser Verordnung ist. Und da passierte es: Orgeln, deren Pfeifen oft Blei enthalten, werden elektrisch betrieben. Sie sind daher vor dem Gesetz einer Espressomaschine und einem Fön gleichgestellt. Die Pfeifen müssten somit ausgetauscht werden. Der Europaabgeordneter und Organist Martin Kastler (CSU) intervenierte - Orgeln werden nun ausgenommen. Da hat jemand aufgepasst. (Man erinnere sich an das ernsthafte Vorhaben der EU, Orchestermusiker aufgrund der Lärmbelastung nur noch mit Gehörschutz spielen zu lassen - nein, das ist kein Scherz.)

Die Regelwut kennt keine Grenzen. Wie war das doch gleich? Die 10 Gebote passen locker auf auf eine DIN A4-Seite, die EU-Richtlinien über die zulässigen Abmessungen und Krümmungen von Gewürzgurken sind über 30 Seiten lang...

Unsere Orgeln sind fürs Erste gerettet. Was aber das Austauschen von Pfeifen angeht: in Brüssel gäbe es da offensichtlich einiges zu tun.

Montag, Dezember 17, 2012

An die werten Damen und Herren Kommentatoren

Uns erreichte heute die Meldung, Christen lebten in einem Meinungsbunker und wollten allen anderen im Auftrag des Heiligen Vaters ihre Art zu denken aufzwingen, insbesondere in sexuellen Fragen. Diese Meldung erreichte uns in Form eines schriftlichen Kommentars. Nach einer sorgfältigen Prüfung von ca. 5sec. Dauer entschlossen wir uns, sie auf dieser Website nicht weiter zu verbreiten. So nahm sie vorzeitig den Weg alles Irdischen.

Wir bitten, dies im Falle geplanter Äußerungen zu berücksichtigen.

Herzlichen Dank.

Alles Liebe, Deine…

[Von Bastian]
Meine Frau und ich twittern auf altmodische Weise.
„Hast Du eine Idee für ein Geschenk für Siggi? Alles Liebe, Deine…“ Wenn ich Briefchen dieser Art von ihr auf dem Küchentisch finde, bin ich fröhlicher. Nein, nicht, weil uns ein Geschenk fehlt, sondern weil sie im Briefchen für mich da ist. Weil es von ihr ist. Und wenn wir uns an diesem Tag zuhause nicht überschneiden, schreibe ich eine Antwort drauf: „Nein, noch nicht, aber ich werde drüber nachdenken. Alles Liebe zurück.“ Und dann freut sie sich. Weil es von mir kommt.
Durch unsere Zetteltweets werden keine großen Probleme gelöst. Sie ersetzen kein Gespräch, verkünden keine neuen Erkenntnisse über unser Eheleben und sind von ihrem Intellektuellen Anspruch her beschränkt. Die Zettel sind klein. Trotzdem schreiben wir sie immer wieder – sie machen Freude, schaffen Gemeinsamkeit. Manchmal, wenn es nichts mitzuteilen gibt, schreibe ich nur einen Gruß. Denn bei unseren Zetteltweets gilt: es ist der Absender, der zählt.

Jetzt twittert der Papst. Für mich fällt das genau in diese Sparte: Millionen von Followern erwarten keine virtuelle Audienz, sondern ein Briefchen vom Papst. Ein kurzes „Habt Ihr eine Idee, wie...“ oder ein „Ich denke an Euch…“ mit einem Gruß oder Segenswunsch am Ende. Der Papst, dessen Titel immerhin von Papa kommt und familiäre Nähe in sich trägt, nutzt ein Medium, um Gemeinsamkeit zu schaffen. Eine gute und gelungene Aktion.

Es gibt natürlich unzählige Möglichkeiten, eine solche Idee misszuverstehen. Das ist vorprogrammiert, denn die Tweets sind öffentlich. Man stelle sich nur vor, meine Frau und ich müssten unsere Zettel auf offener Straße in einer belebten Fußgängerzone deponieren. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis der erste dumm-pubertierende Jugendliche drunter kritzelte: “Ey, Alter, kennste nich mal nen guten versauten Witz?“ (Link) Viele würden sich das Maul zerreißen und fänden sich cool. Sollen sie. Nicht meine Zielgruppe.

Andere wollen nicht cool, sondern intellektuell überlegen sein. Sie nehmen die dummen Antworten und geben – ähnlich dümmlich - zu denken, wer solche Briefchen schreibe, müsse lernen, dass es Reaktionen gibt. (Link). Dabei bleibt unklar, ob man hier davon ausgehen soll, dass der Papst sie Reaktionen auf seine Aussagen noch nicht bemerkt hat, oder ob der Schreiber dieser Zeilen noch nicht wusste, dass der Papst öffentlich wahrgenommen wird. Da diese Anmerkung allerdings aus den katholischen Medien selbst kommt, ist sie etwas ärgerlicher, als die anderen „Kritiken“. Auch ich wäre enttäuscht, käme ein Teil des eher dummen Gekritzels unter meinem Zettel von einem meiner Kinder.

Nicht spontan oder persönlich genug, nicht inhaltsreich genug, vom Wesen her falsch, zu lang, zu kurz, unpassend und überhaupt sollte ein Papst sowas nicht tun und die Öffentlichkeit mit sich belästigen. All diese Kritik kann getrost stehen bleiben. Sie wirft weniger Licht auf den Papst als auf manche – bei weitem nicht alle! – der Kritiker selbst. Denn alle Kritiker, die meinen, ihre persönliche Kritik sei hier allgemeingültig, haben eines gemeinsam: sie glauben besser zu wissen, was Freude bereitet, als die, die sich freuen. Sie erliegen der gleichen intellektuellen Falle wie die Gegner von „Weihnachten im Schuhkarton“: das eigene Denken wird zum Maßstab, der wiederum zum KO-Kriterium dafür wird, woran andere Freude haben dürfen. Allerdings ändert das nichts. Ich habe meine Freude daran und interessiere mich überhaupt erst für Twitter, seitdem man dort vom Papst lesen kann.

Die Tweets sind für die, die Freude daran haben. Für die meisten dürfte auch hier gelten: es ist der Absender, der zählt. .

Sonntag, Dezember 16, 2012

Anknüpfend an Alipius...

... Kindermissverständnisse.

[Von Bastian]

Das schönste, das ich kenne:

"Wie heißen die Erzengel?"
"Michael, Gabriel, Raphael und Kurt."
"Kurt?!"
"Ja, wie im Kirchenlied. Bald ist Heilige Nacht. Kurt, der Engel, erwacht."

Samstag, Dezember 15, 2012

Real wie die Wandlung

[Ein Gastbeitrag von BXIV, einem 14jährigen Sohn von SierraVictor]

Für mich ist klar, dass man bei der Wandlung und in der Eucharistie miterleben darf, wie Gott selbst zu einem persönlich kommt. Jeder Katholik weiß oder sollte zumindest wissen, dass die Eucharistie mit der Ankunft und der Auferstehung von Jesus, dem Erlöser, den Kern des katholischen Glauben ausmacht.
Der Vorgang der Wandlung lässt keinen Spielraum für Interpretation. Es geschieht nur das eine: die Gaben werden zu Gott.

Als Messdiener habe ich nichts anderes erlebt; ich bringe die Gaben zu Altar und nach der Wandlung habe ich dann nicht mehr das Brot sondern Gott selbst in der Hand. Man kann nichts anderes behaupten. Man sollte sich nur daran erfreuen, dass Gott zu einem Mensch kommt, der es definitiv nicht verdient hat.

So wie das Brot zu Fleisch wird und der Wein zu Blut wird, so wird beides zu Gott selbst.
Es ist etwas Schönes, da man so seinem Gott und seinem Beschützer selbst in sich aufnehmen darf und ihm so begegnet. Es ist real und man sollt dankbar dafür sein. Damit und mit Gebet kann man seine eigne persönliche Beziehung zu Gott aufbauen und selber mit ihm reden, ganz unabhängig was andere sagen oder machen. Es ist eine Beziehung von einem Gläubigen zu einem Freund. Einem Freund, auf dessen Hilfe man immer zählen kann und zu dem man mit jedem Anliegen kommen darf.

Das Einzige was er von einem möchte, aber nicht erzwingt, ist der Glauben. Der Glauben an die ewige Liebe von Gott zu jedem und an alles was er für uns getan hat. An das ewige Leben, die Auferstehung und die Sakramente, in denen er sich immer wieder zeigt und sich uns gibt.
Etwas von diesen Dingen zu verneinen ist eine persönliche Entscheidung, aber sie gehört nicht zum katholischen Glauben. Ohne das ewige Leben, die Auferstehung von Jesus und die vollkommen reale Wandlung, die eine der Qualitäten vom katholischen Glauben ist, geht es nicht.

Man sollte jedes dieser Dinge als ein Geschenk dankbar annehmen und nichts davon anzweifeln, denn Gott will nichts mehr als ein Freund von jedem zu sein. Wir sollen nur diese Freundschaft und Liebe von Gott im Glauben erwidern.

Es ist so aufbauend!

Missionarische Weihnachtskarte des Bistums Osnabrück.

[Von Bastian, siehe auch diesen LINK]

Freitag, Dezember 14, 2012

WER JETZT NOCH KEIN …


… Weihnachtsgeschenk hat, dem ist eh nicht zu helfen.
Hättste halt rechtzeitig auf Pater Amsel gehört.

Alle Jahre wieder…

… krieg‘ ich einen Frust.

[Von Bastian]

Das Elend vieler Menschen ist groß. Neben den alltäglichsten Dingen fehlt vor allem eines im Leben: Freude. Dabei ist sie für das Leben genauso essentiell, wie die Versorgung des Leibes: Gott sieht man mit dem Herzen. An eine Freude, die mir gemacht wurde, erinnere ich mich länger, als an den Geschmack eines guten Essens. Deshalb beschenken wir uns zu Weihnachten: die Freude, das Gott zur Welt kam, wird zelebriert.
Wie wäre es also damit, diese essentielle Freude auch zu Menschen, vor allem Kindern, zu bringen, die sie zu Weihnachten sonst nicht erfahren? Am besten zu ganz vielen? Zu Tausenden? Zu Hunderttausenden? Wie wäre es mit einer Aktion, in der Christen eine halbe Million Kinder beschenken, um Freude zu bereiten? Und die ihnen, wenn es erwünscht ist, zudem auch erzählen, warum sie das tun und was für sie die Quelle der Freude ist? Es wäre eine ganz große und tolle Sache!

Halt, falsch: es ist eine ganz große und tolle Sache: diese Aktion gibt es: Weihnachten im Schuhkarton. Christen beschenken Kinder in aller Welt, dieses Jahr zum 100.000.000stenmal.

Jedes Jahr bin ich begeistert, und jedes Jahr zugleich traurig, denn einige katholische Bistümer stellen sich ausdrücklich dagegen und warnen wieder einmal davor, wie Kath.net berichtet. (LINK)
Ohne selbst eine Alternative anzubieten wird verkopft festgestellt, die Aktion sei nicht nachhaltig. Gemeint dürfte damit sein, dass sich der Ernährungszustand der Beschenkten langfristig nicht durch das Päckchen verbessert und auch die Infrastruktur der betroffenen Gebiete nicht davon profitiert. Irgendwas in dieser Art. Dass sich Freude verbreitet und die christliche Botschaft lebensnah verkündet wird, dass hinter jedem gepackten Karton eine Liebestat steht, die Gott höchstpersönlich Freude bereitet – was heißt das schon? Was ist das gegen Statistiken und Nachhaltigkeitsberichte? Offensichtlich für manche Mitglieder meiner geliebten Kirche zu wenig, was dazu führt, dass ich mich auch dieses Jahr wieder schäme. (Schon letztes Jahr gab es diese Lieblosigkeit. (LINK))

Freude wird hier zum Luxusgut erhoben: erst, wenn die wirtschaftliche und gesundheitliche Entwicklung stimmt, kann ich Energien in so etwas Zusätzliches wie Freude stecken. In dieser Mentalität ist die Freude der Hirten in der Heiligen Nacht mangels Nachhaltigkeit überflüssig. (Komisch eigentlich, dass sie bis heute nachhallt.) Konserven zu verteilen wäre besser gewesen. In dieser Mentalität kann ich meinem kranken Kind nur Medikamente und leicht verdauliche Nahrung aus der Stadt mitbringen, aber sicher kein Kuscheltier – letzteres lässt die Nachhaltigkeit vermissen. Ich möchte von den Kritikern der Aktion nicht zu Weihnachten beschenkt werden.
Ist es wirklich nötig, dass diese Aktion jedes Jahr aus katholischer Ecke torpediert wird? Ist das der Weg zu Gott?

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, sagt dazu: „Es ist das Letzte, was Menschen in Not hilft, wenn sich Helfer gegenseitig ihre Arbeit schwer machen.“ Die pauschale Kritik an einem Projekt verunsichere die Spender und führe nicht zu mehr Spenden. Sie trage auch nicht dazu bei, den christlichen Glauben zu verkünden. Ich kann dem nur zustimmen.

Skandal oder Berechnung – der Papst schweigt zum Weltuntergang!


[Ein Vorschlag für einen Bericht bei Spiegel Online, von Bastian, der dafür lange recherchiert hat]

Der Papst nimmt nie an Talkshows teil – er weiß, warum, denn: würde er sich der offenen Auseinandersetzung stellen, er wäre ein anderer. Anders zu werden aber ist genau das, was er sich und der von ihm geführten römisch-katholischen Kirche streng verboten hat. Und er und seine engsten Mitarbeiter achten darauf, dass seine Verbote befolgt werden, gleich was sich an der Basis tut.

Zölibat, Frauenweihe, Vertuschung von Missbrauchsfällen etc. etc. – die Liste der Themen, die durch Untätigkeit und Starrheit so lange ausgesessen werden, bis die Basis den Mut verliert, ist lang. Oft ist die nicht-katholische Presse, die Vielgescholtene, das letzte Sprachrohr, das denen bleibt, die die eigentliche Kirche darstellen – die über eine Milliarde  (1.000.000.000!) Katholiken, die nicht Kleriker sind.
Nun ist es ein durch die Jahrhunderte bewährtes Instrument der Kirche gewesen, ihre Schäfchen erst einmal zu bremsen. Eine langsam ziehende Herde hat man unter Kontrolle. Man kann aussuchen, wo sie weiden, und was sie fressen. Man kontrolliert sozusagen ihre Substanz. Der Grund war und ist immer selbstlos: für die Schafe ist es so am besten. Oder, um das Bild zu verlassen: der rechtgläubige Katholik (Frauen sollen hier wohl inbegriffen sein) kann sicher sein, genau den Sinn für sein Leben zu finden, der dogmengeprüft und in der Glaubenslehre rein für ihn passend ist.

Doch was, wenn es zu (unvermeidlichen) inneren Konflikten kommt: was, wenn die Kirche Sinnfragen unbeantwortet aussitzen muss, um ihre eigen Sinnantwort geben zu können? Derzeit lässt sich das gut beobachten: am 21.12.2012, in wenigen Tagen also, endet der Jahrtausende alte Kalender der Maya. Unsere Zeit geht zu Ende. Wie die nichtchristlichen Sterndeuter an der Krippe haben Menschen anderen Glaubens und anderer Kultur die Zeichen der Zeit verstanden und gedeutet. Wie die Sterndeuter angeblich Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten – Bilder ihrer Erkenntnis – so schenken uns die Maya ihren Kalender. Und gerade so, wie schon damals Christus beim Besuch der Könige kein Wort verlor, sondern andere für sich sprechen ließ, schickt auch sein Stellvertreter andere nach vorne, um die eigene Sprachlosigkeit vergessen zu machen.
Die Menschheit jedoch „vergeht vor Angst“, wie es in der Bibel heißt, auf die die Kirche sich beruft. Sie erwartet eine Antwort von der Institution, die sich als Hüter der Wahrheit ausgibt. Josef speiste damals die Könige mit einem feuchten Händedruck ab und schickte sie ihrer Wege (natürlich nicht ohne die Geschenke einzubehalten). Josef speist heute die Ängstlichen mit einer pseudo-wissenschaftlichen Aussage ab: Josef, das ist der Direktor der „vatikanischen Sternwarte“, Jesuitenpater Jose(f) Gabriel Funes. Bis in die Namensgleichheit hinein rührt sich die Kirche nicht vom Fleck – warum auch? Sie sitzt dort seit ihrer Entstehung gut und bequem. Funes äußert ein paar wissenschaftlich halbgare Theorien, deren eigentlicher Sinn klar ist: der Weltuntergang wird schlicht geleugnet. Die Kirche schickt die Maya ihrer Wege, natürlich behält sie wieder das Geschenk: seit fast 2000 Jahren übernimmt sie die Idee einer eigenen Zeitrechnung. Billig?

Soweit die Fakten. Es fehlt der Kommentar.
Es gibt zwei Ansätze, aus denen heraus sich die derzeitige Kirchliche Lage einschätzen lässt. Da ist zum einen die Institution der Kirche mit der Tatsache, dass die Kirche in den Naturwissenschaften stets führend war, was sie gerne verschweigt. Der Anteil von Katholiken, insbesondere katholischer Priester, unter den bedeutenden Entdeckern und Erfindern ist unverhältnismäßig hoch. Wissenschaft und Kultur wären ohne die Kirche um Jahrhunderte zurück! Dass das unerwünschtes Wissen ist, ist verständlich. Wo wäre der Papst, käme heraus, dass seine Kirche Bewegung verursacht hat? Was sollte er schreiben, stünde fest, dass der Riss zwischen Glaube und Vernunft, den er ständig kitten will, gar nicht existiert? Er ist in dieser Situation nicht zu beneiden.
Und zum anderen sind da wir, die Gläubigen, die Schäfchen. Wir sind dabei, uns zu emanzipieren. Das alte, welke Gras schmeckt uns nicht mehr. Wir ziehen ohne euch weiter, liebe Kleriker. Wir wollen nicht „beschützt“ werden, sondern unsere eigene Weide finden. Wir verlassen euch und die, die unbedingt bei euch bleiben wollen – des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Der Untergang, den ihr nicht wollt – wir wählen ihn. Ohne euch.

Donnerstag, Dezember 13, 2012

Zum Abschied ein Witz

Mit der Verabschiedung des Gesetzes zum Thema Beschneidung müssen wohl auch wir uns von diesem Thema verabschieden, wie Josef Bordat aufmerksam bemerkte, pointiert zusammenfasste, gekonnt kommentierte und natürlich auch bloggte.(LINK)

Auch ich verabschiede mich daher vom Thema Vorhaut, allerdings: einen hammwer noch.
Einen Witz zum Thema in der Hoffnung, dass ihn noch nicht jeder kennt.
Also: Ein Mann betrachtet in einem Schaufenster Uhren. Er betritt den Laden.
Mann: Ich möchte eine Uhr kaufen.
Verkäufer: Mein Sohn, ich verkaufe keine Uhren.
Mann: Keine Uhren? Was machst Du denn dann?
Verkäufer: Ich bin der Beschneider der Mosaischen Gemeinde.
Mann: Väterchen, warum stellst Du denn dann Uhren im Schaufenster aus?
Verkäufer: Mein Sohn, was soll ich denn sonst ausstellen?

Index der Erzeugerpreise, Schwangerschaftsabbrüche

[Von Bastian]
Wer kennt sie nicht - die Filmszenen, in denen ein Flüchtender einfach in einer Menschenmenge untertaucht, weil glücklicherweise gerade ein Festumzug vorbei kommt? Gut inszeniert verliert auch der Zuschauer den Blickkontakt zum Helden oder Schurken und sieht nur noch eine große Menge. Er sieht sozusagen den Baum vor lauter Wald nicht mehr.

Auch unsere Gesellschaft feiert sich mit Umzügen. Meist bestehen sie aus Zahlen: Lohnerhöhungen, Verbraucher- und Erzeugerpreise, Autobahnkilometer (oder auch, je nach politischer Couleur, verhinderte Autobahnkilometer), Angaben zum Gesundheitswesen und vieles mehr. Und Politiker verkünden es stolz: diese Zahlen, das sind wir.

Es hat mich erschüttert, heute zwischen diesen Zahlen auch die Statistik der Schwangerschaftsabbrüche zu finden: das Versagen unserer Gesellschaft, getarnt wie ein Flüchtender in der Menge, eingebettet in ihre Leistungsbilanz. Abtreibungszahlen, aufbereitet zur Auswertung, nicht zur Mahnung. Auf das niemand denke, die Zahlen getöteter Kinder seien etwas anderes als die der verspeisten Grapefruits. Auf das in den Hirnen der Blickkontakt zum Ereignis, das sich dahinter verbirgt, verloren gehe.

Dass die Online-Datenbank des statistischen Bundesamtes, auf der ich diese Tötungsbilanz von Embryonen und Föten nachlesen kann, ausgerechnet „Genesis“ heißt, macht die Sache nicht geschmackvoller, ist aber, denke ich, bezeichnend. Schließlich gilt: das haben wir geschaffen. Das sind wir. (LINK)

Mittwoch, Dezember 12, 2012

Todesdrohung gegen Martin Lohmann nach Auftritt bei "Hart aber Fair"

Eine durch einen Remailer anonymisierte Mail erreichte heute morgen den Chefredakteur von K-tv. 

Der Text der Mail lautete wörtlich:
"Ich bin homosexuell und habe AIDS,
wohne in Bonn und bin nun entschlossen ihnen auch das Geschenk dieser Immunerkrankung zu geben.
Wenn sie also demnächst einen kleinen Piekser verspühren sollten,
dann war ich das wohl mit meiner Nadel : - )"

Diese Drohung steht offfenbar im Zusammenhang mit Lohmanns Auftritt in der Sendung "Hart aber fair". Lohmann hatte sich in der Sendung eindeutig gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ausgesprochen.
Frank Plasberg und seine Redaktion zeigten sich in einer Mail an Martin Lohmann wegen der Drohung tief betroffen.





Quelle: katholon

Samstag, Dezember 08, 2012

Biedermann und die Karikaturen

[Von Bastian]
Angenommen, es gäbe Typen, die gern einen Flächenbrand hätten. Und angenommen, diese Typen schütteten große Mengen Benzin in die Straßen, aber viele Menschen würden das nicht kapieren und wegschauen. Und dann noch angenommen, da wäre jemand, der würde einen Streichholz in die Benzinpfützen werfen, um die Leute durch den entstehenden Flächenbrand wachzurütteln – der wäre doch ein ziemlicher Idiot, oder? Der würde doch mit dem warnen, vor dem er warnen will, und sich letztlich auf das Niveau der Benzinschütter begeben, indem er ihr Werk in Gang setzt.
Selbst wenn er ein verbrieftes Recht zum Streichholzwerfen hätte –soll er denen gegenübertreten, die vom Feuer verbrannt wurden, und sagen, er sei unschuldig – das Benzin sei schuld? Er würde letztendlich mit den Benzinschüttern in einen Topf geworfen, und das zu Recht.

In einer Inhaltsangabe zu „Bidermann und die Brandstifter“ heißt es:
Die Hausierer sprechen ganz offen über Brandstiftung, Biedermann selbst ist verängstigt, gibt aber vor, ihnen zu glauben, dass sie keine Brandstifter sind, und übergibt in einer Art Vertrauensgeste Streichhölzer an die Hausierer. Er verdrängt bewusst, dass er sich damit zum Komplizen der Brandstifter macht. (LINK)
Das ist es, was ich meine.

Es gibt für mich keinerlei Verständnis für die radikalen Reaktionen mancher Muslime. Nicht nur das – ich halte sie nicht nur für unverständlich, sondern für unmenschlich und objektiv zutiefst falsch und schlimm! Aber trotzdem, oder besser gerade deshalb habe ich auch keinerlei Verständnis dafür, mit diesem Feuer zu spielen, um seine Überlegenheit zu beweisen, indem man die Primitivität der Brandstifter offen legt. Wer einen Flächenbrand riskiert, um sich und anderen zu beweisen, dass er das Recht hat, aus seiner Meinungsfreiheit eine Beleidigungsfreiheit zu basteln, hat den Schuss nicht gehört.

Daher stimme ich erst einmal Alipius 100%ig zu. (LINK) Aber trotzdem halte ich die, die es derzeit nötig haben Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen, für selbstgerechte, kurzsichtige Trottel.

Donnerstag, Dezember 06, 2012

Familientradition

[Von Bastian]
Jedes Jahr zu Sankt Martin und zu Nikolaus die selbe Frage: wie futtert man einen Weckmann oder einen Schokoniko, ohne dass es makaber wirkt?
Ich meine, man kann denen doch nicht einfach den Fuß abbeißen, langsam den Kopf abschneiden oder dem Weckmann gar bei lebendigem Leib die Pfeife rausreißen, was stets eine riesige Wunde hinterlässt. Sogar ein genüssliches In-Scheiben-Schneiden soll bei großen Weckmännern vorkommen. Und erst die Bemerkungen, wenn Kinder dieses Thema für sich entdeckt haben. Grauslich!
Wir haben daher, ich bekenne es, in unserer Familie die Tradition, unserer Leckerei als erstes mit dem Messerrücken einen kräftigen Schlag ins Genick zu verpassen. So wird alles Makabere in einer Sekunde zusammengefasst, alle fühlen sich besser und der Genuss ist ungetrübt.
Allen einen schönen Nikolausabend.

Christentum subjektiv

In der Tageswoche gab es einen Bericht über den Besuch eines Gottesdienstes bei den Christkatholiken. Es ist ein sehr positiver Bericht, der viel Wert auf die Menschlichkeit, Wärme und Freundlichkeit legt, die dort herrschen. (LINK)

Petra Lorleberg schreibt auf Kath.net dazu: „Der Artikel gibt Anlass, einmal ganz unbefangen zu fragen: Wie stellen sich Teile unserer Gesellschaft eigentlich gelingendes Christentum vor? Soll das Christentum auf einem Kaffeekränzchen- und Seelentrösterchen-Niveau vor sich hinvegetieren?“ (LINK)

Ich denke, diese Frage wird zu Recht gestellt, zumindest an den Schreiber, der deutlich machte, was ihm wichtig erscheint, aber auch an große Teile der Gesellschaft. Das Christentum soll bitte in die Gesellschaft passen, denn die hat schließlich derzeit eine Menge zu tun. Sie kann sich nicht auch noch um die religiösen Ansichten der Christen kümmern. Willkommen ist, was hilfreich ist. Weltanschauliche Bevormundung durch irgendwelche Kirchen ist das nicht. Das sind doch Ausflüchte, das ist doch Problemverleugnung. Ist es nicht der gesunde Menschenverstand, der fragt: Was soll ich mit Lehren über das Leben nach dem Tod, wenn ich im Leben vorher nicht einmal gleichen Lohn für gleiche Arbeit erreiche?

Ich nehme dazu Stellung. Die Frage, wie ich mir das Christentum vorstelle, das gelingt, möchte ich beantworten – sehr persönlich und subjektiv - etwas anderes habe ich nicht.

Für mich geht es beim Christentum um Christus, das ist das Erste und das Wichtigste. Alles andere, Kirche, Messform, Lehre, Ökumene und unzählige weitere Punkte, haben sich daran messen zu lassen, ob hinter ihnen Christus steht, ob er durch sie sichtbar wird. Ich meine damit Christus, wie er ist und sich offenbart hat, nicht einen selbstgemachten Christus, der gut passt. Da er mich zur Umkehr aufgerufen und nicht versprochen hat, selbst umzukehren, da ich ihm folgen soll und nicht er mir, habe ich ein gesundes Misstrauen gegen alle Bequemlichkeit im Glauben.

Ein zweiter, für mich sehr wichtiger Aspekt ist der: Christus kam für alle, für jeden. Damit meine ich keine Gegenposition zu „pro multis“, sondern eine Botschaft, die jedem Menschen etwas sagen kann, gleich in welcher Situation er ist. Diese Frage macht sich für mich an einer furchtbaren Geschichte fest, die ich vor einiger Zeit las. Ich weiß nicht, ob sie stimmt, aber ich weiß, dass solche Dinge tatsächlich passieren können:
Eine Kirche wird abgebrannt, während Christen darin sind. Eine Mutter greift sich ihre Tochter und bahnt sich in verzweifelt langen 10min. einen Weg ins Freie. Draußen aber stehen die Brandstifter, entreißen ihr das Kind und werfen es zurück in die Flammen, wo es stirbt.
Wenn Christus Gott ist, muss er eine Botschaft haben, die für diese Frau und für dieses Kind noch Rettung bedeuten. Es muss eine Botschaft sein, die größer ist, als unser Leben. Es muss eine Botschaft der Ewigkeit sein – alles andere ist zu klein für dieses Leid. Dieser Frau würde es nichts nützen, erzählte man ihr, dass Jesus Christus mit ihr solidarisch war, indem auch er gelitten hat und starb. Ohne seine Auferstehung und ohne dass er sie wie auch ihre Tochter zu sich in die Herrlichkeit ziehen will, wäre der Glaube für sie perspektivlos.
Natürlich ist nicht jedes Schicksal das jener Frau und nicht alles im Leben schlimmes Leid. Doch das Beispiel zeigt: Gott trägt ganz, oder er trägt nicht. Der Glaube hilft immer, oder er hilft gar nicht. Denn auch ich werde in mehr oder weniger Jahren vor der absoluten existentiellen Situation stehen: ich werde sterben. Wie jeder andere übrigens auch: die existentielle Frage steht im Raum, ob es der beschäftigten Gesellschaft nun gefällt oder nicht. Der gesunde Menschenverstand sollte das erkennen.

Wo aber finde ich etwas, das das Kaffeekränzchen und den verlorenen Fahrradschlüssel genauso ernst nimmt, wie das Martyrium im Feuer? Ich finde es in der Kirche.
Wo sonst gibt es eine Feier wie die Heilige Messe, die sich im Frieden feiern lässt wie in größter Not? Die zum runden Geburtstag Trost spenden kann wie auch im KZ?
Wo anders ist die Ewigkeit so offen für mich, wie in den Heiligen, die schon jetzt mit mir leben?
Wo sonst wird Gott greifbar wie in den Sakramenten?
Egal wie sehr ich mir oft selbst im Weg stehe und wie wenig ich begreife: von ihrem Wesen her ist die Kirche die Botschaft Christi. Sie ist die umfassende Einheit in sich.
Es mag daher Gottesdienste geben, die emotional in mancher Situation ansprechender, wärmer, friedlicher sind, die weniger fremd sind und weniger anstößig in ihrer Lehre – ihnen allen fehlt jedoch dieser große Aspekt der umfassenden Wahrheit Gottes: die Wirklichkeit, die nicht auf mich zugeschnitten wurde aber dafür immer trägt. Die aber ist für mich unersetzlich, denn für mich gilt: ich habe Gott gefunden, wenn ich in ihm sterben kann.

Man hat ja oft merkwürdige Assoziationen. So lag mein Anlass, diesen Beitrag zu schreiben, im letzten Absatz im Bericht der Tageswoche: „Ein Problem scheint dennoch offensichtlich: der Nachwuchs. In die Messe kommen vor allem ¬Ältere – und nur ein Kind, das bald einschläft. Aber immerhin zufrieden. Was in anderen Kirchen ja auch kaum möglich wäre, so hart wie die Bänke dort sind.“ Ein friedliches Bild, doch das kann meine Familie toppen. Wir waren vor kurzer Zeit noch bekannt dafür, dass in einer stinknormalen Kirche oft zum Entzücken der Banknachbarn gleich 4 Kinder auf der Kniebank schliefen. Der einfache Katholizismus scheint etwas zu haben.

Dienstag, Dezember 04, 2012

Montag, Dezember 03, 2012

Einspruch, Euer Ehren!

[Von Bastian]

Darf man Kinder belügen? Nein, meint Jan-Uwe Rogge in einem „Expertentipp“. Man darf es nicht – man muss es. (LINK)

„Süddeutsche.de: Herr Rogge, dürfen Eltern ihre Kinder über Weihnachtsmann, Christkind und Engelsscharen anschwindeln?
Jan-Uwe Rogge: Kinder zwischen drei und neun Jahren sind in einer magisch-realen Phase. Zum einen sehen sie sehr realistisch, dieser Baum ist ein Baum. Zugleich können sie sich vorstellen, mit dem Baum zu reden oder seine Blätter flüstern ihnen etwas zu. Auch an den Weihnachtsmann und an das Christkind glauben die Kinder nicht nur einfach so, sie wollen daran glauben. Also lügen Eltern ihre Kinder nicht an, sondern bereichern vielmehr ihre Traumwelt. Der Glaube an das Christkind hört mit dem Ende dieser magischen Phase von allein auf.“

 „Trotzdem wollen manche Eltern ihren Kindern die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen, auch über den Weihnachtsmann. Was bedeutet das für die Kinder?
Das sind Eltern, die sich pädagogisch besonders wertvoll verhalten wollen. Leider bestrafen sie ihre Kinder eher damit - und werden scheitern, denn die Kleinen denken sich dann selbst ihre Märchen aus.“

Mit der magisch-realen Phase wird vieles begründet. Meistens Dinge, die das Erziehen vermeintlich einfacher machen, oder für die Kinder schöner. Dahinter steckt ein massives Missverständnis: die Alternative „Magisch-reales Bewusstsein“ gegen „bestrafende Ehrlichkeit“ existiert nicht.

Diese Phase ist auf dem Weg zu einer erwachsenen Weltsicht ein wichtiger Schritt – sie ist aber kein Selbstzweck. In dieser Phase setzt sich das Kind mit der Welt auseinander, wie es sie erlebt. Das eigene Erleben wird beobachtet und in eigene, magisch anmutende Regeln und Geschichten gefasst. Es ist eine Annäherung an die Realität, keine romantische Spinnerei. Diese Phase dient nicht dazu, von Erwachsenen mit Kitschvorstellungen gefüttert zu werden, sondern dazu, sich mit den Tatsachen des Lebens auseinanderzusetzen. Kinder in der magischen Phase mit Magie zu füttern (oder dem Murks, den eine vermeintlich aufgeklärte Denkweise davon übrig lässt) ist etwa so sinnvoll, wie Kinder, die nicht sicher laufen können, in einer Gummizelle zu halten, damit sie sich beim Fallen nicht stoßen. "Die Kinder denken sich selbst ihre Märchen aus." Ja, Kinder denken auch in dieser Lebensphase selbstständig. Die Ergebnisse als Märchen zu betrachten zeugt dabei nur von der eigenen Phantasielosigkeit.

Weihnachten verliert nicht durch die Wahrheit – es gewinnt. Auch in der magisch- realen Phase. Denn was ist für ein Kind verzaubernder als die Weihnachtsgeschichte, wie sie in der Bibel steht? Mit dem Stall, den Hirten, den Engeln? Und die Geschenke: nichts vermittelt eine unmittelbarere Teilnahme am erlebten „magischen“ Lebensprinzip, als selbst den Eltern eine Überraschung zu bereiten! Da ist man selbst Teil des Geheimnisvollen. Viele Eltern werden es bestätigen: gerade für kleine Kinder ist der Moment, in dem Mama und Papa ihre Geschenke auspacken, der spannendste des ganzen Weihnachtsfestes. Wer das erlebt hat, käme nie auf die Idee, dem Kind diese Chance zu nehmen, indem anonyme Engelchen die Geschenke bringen, die halt auch was für die Eltern haben. Und wer die Freude und das Bedürfnis Gesunder Kinder, für ein schönes Geschenk zu danken, erlebt hat, wird nie auf die Idee kommen, die Geschenke von jemandem bringen zu lassen, dem man nicht danken kann.
Das Christkind und der Weihnachtsmann unterschätzen Kinder gnadenlos, indem sie deren Weltbild mit Weltfremdheit gleichsetzen, mit Unmündigkeit. Was das Kind als Liebeserklärung erleben könnte, wird zum Märchen degradiert. Was es selbst an Liebe schenken könnte, wird nicht anerkannt. Dabei befähigt gerade ihre Denkweise die Kinder, Zusammenhänge zu erkennen, die Erwachsene oft so einfach gar nicht formuliert bekommen. „Wie bitte? Jesus hat Geburtstag und wir kriegen die Geschenke?“ Dieser Gedanke stammt von einer 5-jährigen aus einem katholischen Kindergarten. Sie hat das Weihnachtsfest erkannt und ihr Staunen darin entdeckt – ohne jeden schmalzigen Zusatz. Ihr altersgemäßes Denken hat das Fest bereichert und sie wird diese Erkenntnis wohl kaum wieder vergessen. Auch nicht, wenn diese Lebensphase zu Ende geht.

Ein armes Kind, das seine „magischen“ Vorstellungen hinter sich lässt, weil es sie als Täuschung erkennen musste, und nicht als bereichernden Schatz des Staunens über die Welt im Leben mit sich trägt.



Unterstützung für Kath.net

Die Blogger von Echo Romeo unterstützen Kath.net.
Ungeachtet diverser Falschmeldungen in den Medien bleibt es dabei, dass wir dieses katholische Nachrichtenportal schätzen und es uns als Gewinn anrechnen, bereits dort veröffentlicht zu haben.

Wir lassen uns nicht den Blick von einer Meinungs- und Stimmungsmache beeinflussen, die versucht, tatsächliche schlimme Übel dazu zu instrumentalisieren, den katholischen Glauben zu diskreditieren.

Sonntag, Dezember 02, 2012

Wenn du mich wirklich liebtest...

[Von Bastian]

"Wenn du mich wirklich liebtest, würdest du gern Knoblauch essen!"
Ich weiß nicht mehr genau, wer das sagte - es steht in einem Buch über Eheprobleme. Auf jeden Fall ist das die beste Zusammenfassung, die ich kenne, für einen der häufigsten Irrtümer über gelingende Beziehungen.

Freitag, November 30, 2012

Wer hat, dem wird gegeben...

[Von Bastian]
Es gibt Menschen, die haben eine Autorität, die höher ist als sie: Gott. Er ist größer als das Leben, denn er gab es und wird es nach dem Tod erneut geben. Deshalb müssen diese Menschen vor dem Tod keine Angst haben: das Leben ist ihnen sicher. Trotzdem schützen sie das Leben vor dem Tod bedingungslos.
Es gibt Menschen, die haben diese Autorität nicht oder verweigern sich ihr. Das höchste, was sie haben, ist daher das Leben selbst, denn mit dem Tod endet alles. Das Töten eines Menschen müsste eigentlich für sie das größtmögliche Sakrileg sein, denn sie haben darüber nichts mehr, keine vergebende Instanz und kein neues Leben. Trotzdem sind sie schneller bereit, dieses Leben vorzeitig zu beenden.

Auf eine erstaunliche Weise bewahrheitet sich hier das Wort: „Wer hat, dem wird gegeben, und wer nicht hat, dem wird auch das wenige, das er hat, genommen.“
Erstaunlich deshalb, weil der, der nicht hat, sein Einziges hier freiwillig noch hergibt: das Leben. Und das betrifft nicht nur den Sterbenden selbst, sondern genauso den, der ihn dabei unterstützt: beide rühren an ihr Höchstes, das einzige, das sie sein lässt. An dem Ast zu sägen, auf dem man sitzt, ist nichts dagegen.

Die Befürworter dieser Kultur des Todes haben nicht nur das Problem, dass sie Gott nicht verstehen. Sie haben erst einmal das Problem, dass sie ihr eigenes Denken nicht zu Ende bringen.

Dienstag, November 27, 2012

Kinderrechte etc. im Grundgesetz?

[Von Bastian]

So lautet Artikel 1 unseres Grundgesetzes:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

So wird er verstanden:
(1) Die Würde des gesunden Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Finanzen.
(1a) Die Würde von Kindern ist ebenfalls unantastbar. Ausgenommen sind unzumutbare Kinder vor der Geburt.
(1b) Die Würde von Frauen und ihren Quoten ist ebenfalls unantastbar.
(2) Die derzeitige Regierung bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. Diese Menschenrechte werden per Mehrheitsentscheid unter Einbeziehung aktueller Umfrageergebnisse vom Bundestag festgelegt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht, ausgenommen im Konfliktfall, in dem Straffreiheit zu gewähren ist.

Donnerstag, November 15, 2012

Der geplante §217 StGB

[Von Bastian]
Gewerbsmäßige Hilfe zum Selbstmord soll untersagt werden. Gewerbsmäßige! (LINK)

Also: Wenn ich jemandem helfe, sich selbst umzubringen, kann es sein, dass ich bestraft werde. Das hängt nicht davon ab, was ich da tue, sondern davon, ob ich Geld dafür nehme. Denn nicht die Tat selbst ist schändlich, sondern nur ihre gewerbsmäßige Ausübung. Die Maxime lautet: „Töte aus lauterer Gesinnung, und du bleibst straffrei, töte zum Lebensunterhalt, und du bist ein Verbrecher.“

Ich kann das nur mit Mühe nachvollziehen. Eine noch verwirrtere Logik ist kaum denkbar; undenkbar sollte es in einem Rechtsstaat sein. Die Strafbarkeit des Tötens wird nicht am Opfer festgemacht, sondern am Täter. Es sind zwei Fälle möglich, in denen genau dasselbe geschieht, nur, dass einmal der Täter strafbar ist und einmal nicht. Der Akt des Tötens zieht, wenn er ehrenamtlich erfolgt, keine Strafe nach sich, sondern einen Beurteilungsprozess, der den Täter betrachtet und ihn häufig straffrei ausgehen lässt.

Straffreiheit aufgrund von Eigenschaften des Täters - das gibt es ansonsten nur, wenn sich herausstellt, dass er unzurechnungsfähig ist.
So wird hier das, was allgemein als „Barmherzigkeit“ gilt, mit geistiger Umnachtung gleichgesetzt. Das allerdings kann ich wieder gut nachvollziehen - das sehe ich auch so..

Inklusion? Exklusion!

[Von Bastian]
Das Wort Inklusion kommt derzeit groß heraus und wird beworben. Wie eine neue heile Welt für alle.
Was heißt Inklusion für Sie? (LINK)

Das Wort könnte etwas wie Zusammenhalt und Gemeinsamkeit Bedeuten. Zusammen sein.
Es könnte bedeuten, mit den Kindern zusammen zu sein, die abgetrieben wurden. Oder mit den Menschen, die aufgrund ihres Glaubens vertrieben und getötet wurden. Es könnte bedeuten, die zu integrieren, die auf den Skandal der Abtreibung hinweisen, und es könnte bedeuten, gläubigen Katholiken Zugang zu hohen EU-Ämtern zu ermöglichen. Ein Leitwort für die Medien könnte es sein, alles zu berichten und nicht nur das politisch Korrekte.

Es könnte viel Schönes bedeuten!

Um Vergebung bitten...

[Von Bastian]

Bei JoBo stieß ich eben auf folgenden Rat von Mutter Teresa:
Wenn die Leute um einen Rat für ein verheiratetes Paar in seinen Beziehungsnöten bitten, gebe ich jedes Mal zur Antwort: Beten und Vergeben. Auch Jugendlichen aus schwierigen Familienverhältnissen sage ich: betet und vergebt. Und auch für die alleinstehende Mutter, die keine Unterstützung durch die Familie hat, gilt: Beten und Vergeben. (LINK)

Auch wenn es von Mutter Teresa ist: meiner Erfahrung nach gibt es einen dritten Punkt, den dazu muss: um Vergebung bitten. Und zwar auch dann, wenn der eigene Anteil minimal erscheint! Das Problem ist dabei meist ein Irrtum: wenn ich um Vergebung bitte, möglichst als erster, nehme ich die Schuld auf mich, habe also unrecht. Sehr viele Gespräche kommen nicht zustande, weil jeder der Kontrahenten meint, wenn er um Vergebung bitte, gebe er damit dem anderen recht. Und so verhindert die eigene Überzeugung die Versöhnung.
Tatsächlich aber ist es anders herum. Bevor ich um Vergebung bitte, ist mein Streit nicht sauber. Indem ich bitte, stelle ich für mich die Grundlage wieder her, auf der die Auseinandersetzung funktionieren kann. Ich werde frei. Und die Erfahrung zeigt: ist man da hartnäckig, reicht es auf Dauer oft, wenn nur einer der beiden das tut. Es ist langfristig ansteckend.

Dienstag, November 13, 2012

Ablass modern

Aus zuverlässiger Quelle wurde uns zugetragen, Petra Gerster habe zu Beginn der heute-Sendung zum Nachrichtenüberblick einen Beitrag mit "Ablass für Verkehrssünder" angekündigt.

Wir meinen, dass es durchaus sinnvoll ist, aus dem großen Schatz der Verkehrsbehörde zu schöpfen und an die Vielen auszuteilen.
Damit jedoch das Bewusstsein für den Wert und die Bedeutung eines Punkteablasses erhalten bleibt, hier noch einmal die üblichen Bedingungen, die eine Voraussetzung für den zeitlichen Punkteerlass sind:
- das Fahrzeug muss sich grundsätzlich im Stand der Verkehrstauglichkeit befinden.
- große Inspektion, zeitnah
- volltanken
- Demonstration oder zumindest Leserbrief in der Meinung des Bundesverkehrsministers. (Diesen Monat: für die zügige Reparatur der schadhaften Autobahnen, für mehr Disziplin auf kleinen Bahnhöfen, um Verständnis für die Aufschiebung der PKW-Maut).

Wir meinen: eine gute Sache!

Die Geister, die man ruft…


[Von Bastian]
Ist es sinnvoll, ein Fenster zu öffnen und danach, aus Angst vor Durchzug,  dem Wind vorzuschreiben, dass er nur in Ausnahmefällen rein darf?
Zumindest mein einigermaßen gesunder Menschenverstand sträubt sich so sehr gegen eine so geartete Logik, dass es schwer ist, ein Beispiel wie dieses zu konstruieren. Die Mehrheit unserer Politiker aber handelt und urteilt auf dieser Ebene. (LINK)

Mit der PID öffneten sie der Selektion von Menschen nicht nur das Fenster, sondern Tür und Tor. Jetzt beschweren sie sich, dass durch die von Ihnen geöffneten Luken mehr hindurchkommt, als ihnen das vorschwebte: der Kontrollverlust ist absehbar. „Das ist nicht das, was wir wollten!“ wird von Politikerseite festgestellt. Dass das vorherzusehen war und auch vorhergesagt wurde, interessiert dennoch nicht – die Intelligenz reicht nicht aus, um den ursächlichen Zusammenhang zwischen geöffnetem Fenster und unerwünschtem Durchzug zu erkennen. Sie reicht nicht aus, um zu erkennen, dass eine Legalisierung der Selektion nicht missbraucht werden kann, sondern selbst bereits der Missbrauch ist, der sich ausbreiten wird. Sünde ist ansteckend.

Was werden diese Politiker tun? Die Überschrift „…droht eine Schlappe im Bundesrat“, unter der das Thema in der Zeitung behandelt wird, verrät es: sie werden es unter dem Aspekt der Mehrheiten sehen. Sie werden verkennen, dass sie die Tötung einer Minderheit erlaubten und dafür verantwortlich sind. Sie werden ab sofort versuchen, dem Wind immer detaillierter vorzuschreiben, wann er durch darf, und wann nicht, und sich dabei immer weiter damit abfinden, dass sie es nicht können. Sie werden verzweifelt Beispiele heranziehen, die beweisen, dass Selektion eine Frage von Verantwortung und Humanität ist, auch in Fällen, die sie jetzt noch für absurd halten würden. Wenn sich dann die Öffentlichkeit endlich so sehr an den Wind gewöhnt hat, dass sie sein Fehlen als unangenehm empfinden würde, werden sie immer dafür gewesen sein, und das alte Fenster, das sowieso nur noch offen steht, entsorgen. Und dann werden sie merken, dass es in Wahrheit eine tragende Wand war. Rumms.

Wie froh bin ich, dass das letzte Wort bei Gott liegt! Danke!

Montag, November 12, 2012

Soll man von der Hölle reden?


[Von Bastian]
Ein Theologe rät, die kirchliche Lehre von der Hölle wieder zu vermitteln (LINK)
Ist das nötig bzw. richtig? Entspricht das der Verkündigung einer frohen Botschaft? (Die Frage, ob das „zeitgemäß“ ist, will ich hier nicht stellen.) Ist Gott nicht die Liebe, das Gute schlechthin, ohne Böse zu sein? Wie sollte er verdammen?
Auch wenn dies häufige Einwände sind: ich denke, so wird man diesem Thema nicht gerecht.

Ein Gleichnis.
Wenn jemand krank ist, kann ich ihn glücklich machen, indem ich ihn heile. Wenn der Patient jedoch behauptet, er sei nicht krank, wird es kompliziert. Irgendwie muss er das Medikament schlucken, sonst wird es bös enden. Was tun?
Vielleich kann ich ihn durch Manipulation dazu zu bringen, das Medikament aus irgendwelchen anderen Gründen zu schlucken. Wenn er schon nicht kapiert, dass er es braucht, könnte er es ja schlucken, weil die Gesellschaft der anderen Patienten so nett ist und er auch dazu gehören will. Man könnte das Medikament auch schlucken, weil man dann zum kleinen Kreis derer gehört, die wirklich wissen, was Pillen sind. Oder weil der Apotheker so nett ist. Allerdings funktionieren all diese Dinge auch ohne das Medikament. Es wird nicht regelmäßig eingenommen oder durch Kuchen ersetzt.
Ich habe jetzt 2 Möglichkeiten, den Patienten froh zu machen. Die eine ist, dass ich ihn aufkläre und ihm die möglichen Folgen seiner Erkrankung klar darstelle und dann heile. Die andere ist, dass ich ihm erkläre, er sei gar nicht krank. In beiden Fällen ist das Thema Krankheit vom Tisch.
Um im Bild zu bleiben: warum kann ich ihm nicht einfach die Gesundheit zusagen? Hat die Pharmaindustrie nicht Gesundheit zum Ziel, die nicht durch Leiden erkauft werden muss? Wer hat etwas davon, dem Patienten mit Siechtum zu drohen?
In diesem Zusammenhang klingen die Fragen außerordentlich dämlich: es gäbe keine Heilung, wenn der Patient nicht begreift, dass Handlungsbedarf besteht. Um mich heilen zu lassen, muss ich wissen, dass ich krank bin und dass das Folgen haben kann.

Kann ich das übertragen?
Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen da geht, aber ich liefere mir meine Antwort selbst. In meinem Fall kann ich. Ich weiß, dass ich vor Gott krank bin. Ich kenne meine Sünden, oder zumindest einige davon. Ich weiß, dass ich Gottes Medizin brauche.
Im Inneren weiß das wohl jeder Mensch. Und für jeden Menschen ist es immer wieder schwer, dieser Tatsache ins Gesicht zu sehen. Aber Gott ist mein Arzt – und er ist ein guter Arzt – er kann diagnostizieren. Das ist die Rolle der „Drohbotschaft“: die Diagnose. Sie zeigt mir, was mein Problem ist. Mein Arzt droht mir nicht, mich ewig krank zu machen, sondern zeigt mir, warum ich seine Therapie brauche. Ihn dafür verantwortlich zu machen, dass meine Erkrankung Folgen haben kann, ist so sinnvoll, wie den Meteorologen für das Wetter anzuklagen. Auch das Verschweigen der Krankheitsfolgen ist keine Lösung, genauso wie kein Sturm ausbleibt, weil der Deutsche Wetterdienst meint, es sei unverantwortlich, ihn vorherzusagen,
Wenn die Verkündigung darauf verzichtet, die Situation beim Namen zu nennen, ist sie keine. Sie wäre fruchtlose Beschwichtigung. Wie ein Ärzteverband, der verlauten lässt, es sei nicht mehr zeitgemäß, von Krebs zu sprechen – „persönlich einzigartige Wachstumsformationen“ seien angemessener und zudem nicht ängstigend. Geschwätz. Eine Krankheit ohne Folgen ist keine. Eine Heilung von etwas Unerheblichem ist überflüssig. Die Idee einer Therapie gegen eine Krankheit, die jetzt Spaß macht und zudem keine Spätfolgen hat, ist dumm: sowas sollte man fördern, nicht behandeln. Ein Arzt, der nicht wirklich diagnostiziert, heilt nicht. Eine kranke Gesellschaft, die ihre Krankheit nicht kennt, ist noch kranker. Wer nicht alles sagt, hat nichts zu sagen.

Deshalb gehört die Klarheit, was die Folgen angeht, untrennbar zur Verkündigung: sie ist Teil des Heilsplanes Gottes für uns, der aus Diagnose und Therapie besteht. Gott manipuliert nicht. Er spielt immer mit offenen Karten und wünscht, dass ich seine Therapie selbst wähle. Er entmündigt mich nicht, um mir dann die Erlösung freundlich unterzuschieben, sondern er sagt mir die Wahrheit. Die ganze Wahrheit.

Samstag, November 10, 2012

Begriffe, die mich nerven (2)


Heute: „Definieren, was katholisch ist“.

[Von Bastian] „Du willst wohl für andere (alle) definieren, was katholisch ist.“ Ein Vorwurf, der mir als Blogger so oder ähnlich häufiger begegnet ist. Meist treffe ich ihn, wenn ich etwas als essentiell für den katholischen Glauben erachte und das auch sage.
Die Logik des Widerspruchs ist allerdings oft etwas merkwürdig, denn sie argumentiert meistens wie folgt: „Du sagst also, das und das sei nicht katholisch – ich aber sage, es ist es doch.“ Im Klartext also: definiere nicht, was katholisch ist, denn das will ich selber tun. In der festen Überzeugung, dass diese Definition – im Gegensatz zu meiner – gültig ist.

Abgesehen von der diesem Vorwurf häufig inhärenten Unlogik liegt jedoch ein noch viel tieferes Problem vor: die Idee eines selbstgemachten Glaubens. Wenn es etwas gibt, das ich definitiv nicht glauben kann, dann ist es alles Selbstgemachte, denn es ist das einzige, von dem ich wirklich zu 100% weiß, dass es konstruiert ist. Der Glaube ist eben keine Spielwiese, auf der jeder steht, wo er steht, und den eigenen Erkenntnishorizont zur Wahrheit erhebt. Der Glaube ist offenbart, und zwar von dem, an den ich glaube: von Gott. Mein Erkenntnishorizont definiert nicht die Wahrheit, sondern innerhalb der Größe von Gottes Offenbarung meine Unzulänglichkeit – und das tut er bei jedem anderen Menschen auch. Wollte ich meine eigene Erkenntnis als katholischen Glauben verkünden, könnten alle getrost weghören, wie auch ich es umgekehrt manchmal kann: die Idee, dass letztlich jede Ansicht gleichwertig ist, ist nicht katholisch. Sie ist nicht einmal göttlich, denn dann wäre die Verkündigung mit Erschaffung der allgemeinen menschlichen Erkenntnisfähigkeit abgeschlossen gewesen. Gott jedoch hat in diese Fähigkeit hineingesprochen. Gespräche, in denen das vergessen wird, sind oft herzlich unergiebig.

Was katholisch ist, wird von Menschen gelebt, kann aber seine Definition niemals in einem Menschen, sondern nur in einer offenbarten Lehre finden. Ich kann gar nicht definieren, was katholisch ist, und meine Gegenüber kann es auch nicht. Weil er es aber auch nicht kann, hat sein Vorwurf ebenfalls nur aus Gott heraus Gültigkeit. Wenn er mich trifft, spricht Gott zu mir: Lieber Bastian, orientierst Du Dich noch an mir, oder wieder einmal an Deinem Horizont?
Und daher nervt dieser Vorwurf, weil er entweder absurd unlogisch oder aber peinlich treffend und damit unangenehm daherkommen kann…

Montag, November 05, 2012

Neue Liturgie anerkennen

[Von Bastian]
Kardinal Bertone hat die Anhänger der Außerordentlichen Form des Ritus aufgefordert, auch die Ordentliche Form vorbehaltlos anzuerkennen. (LINK) Ich bin froh darüber!
Als das Motu Proprio herauskam, war ich, der ich im Grunde vollständig in der Ordentlichen Form aufgewachsen bin, sehr irritiert. Doch schnell wurde mir klar: nicht was mir sinnvoll erscheint, sondern wo Gott zugegen ist!
Nein, Herr, das geht nicht! Diese Feier ist unwürdig - die erkenne ich nicht an. Moment! Was, oder besser: wen erkenne ich da eigentlich nicht an?
Viele der Einwendungen gegen diese oder jene Form werden hohl und haltlos, wenn man sie zu Christus spricht, der gerade in der von mir abgelehnten Form in die Eucharistie hinabgestiegen ist...

Na prima!

[Von Bastian]
Die aufgeklärte Welt zieht an einem Strang.
Was macht man mit Menschen wie diesen?

...die Fanatiker, von denen Mitt Romney sich abhängig gemacht hat, haben alles über Bord geworfen, was den Westen ausgezeichnet hat: Wissenschaft und Logik, Vernunft und Mäßigung oder einfach Anstand. Sie hassen die Schwulen, die Schwachen und den Staat, sie unterdrücken die Frauen und verfolgen die Einwanderer, und ihr Abtreibungsmoralismus macht auch vor den Opfern von Vergewaltigung nicht halt. Sie sind die Taliban des Westens. (LINK)

Ganz einfach: man schreibt ihnen vor, was sie von sich aus nicht kapieren.

Das Vermittlungsbüro Catholic Care werde seinen Status als Wohlfahrtseinrichtung einbüßen, wenn es nicht auch an gleichgeschlechtliche Paare Kinder zur Adoption freigebe, urteilte das Upper Tribunal laut britischen Medienberichten vom Wochenende.
...
Richter Justice Sales urteilte, ein drohender Spendenrückgang könne keine «objektive Rechtfertigung für die vorgeschlagene Diskriminierungspraxis bieten». (LINK)


Es ist nur noch ein kleiner Schritt, Sünden vorzuschreiben, und das Nicht-sündigen zu sanktionieren.

Donnerstag, November 01, 2012

StarWars 7

Über Beziehungen erhielten wir die erste Sequenz der geplanten neuen StarWars-Episode, die durch eine brillante sozialkritische Analyse besticht.
Aber sehen Sie selbst...


Mittwoch, Oktober 31, 2012

Begriffe, die mich nerven (1)

[Von Bastian]
Ein Blog ist eine Art Tagebuch, heißt es. Und dieser Tage sind mir im "katholischen Bereich" ein paar Begriffe aufgefallen, die ich nicht mag. Ein Tagebuch ist subjektiv; daher kann es sich bei diesen Postings nur um mehr oder weniger durchdachte Befindlichkeiten handeln. Der/die LeserIn mag unter diesen Begriffen etwas völlig anderes verstehen, und das mit gleichem oder gar größerem Recht. Das sei unbenommen.

Der erste Begriff: das "Wagnis des Glaubens".
Da ist natürlich etwas dran: der Schritt auf Gott zu ist jedesmal ein Wagnis, oder besser: er fühlt sich so an. Jeder Vertrauensschritt hat das so an sich. Das Wagnis der Liebe, der Kindererziehung, des ersten Schwimmens und des Bungee-springens: beim Vertrauen geht man ein Risiko ein. Vertrauen ist Wagnis.
Das einzige Vertrauen, das faktisch keinerlei Wagnis bedeutet, ist der Glaube. Gott ist absolut zuverlässig. Er ist eben kein Risiko, sondern der unglaublich erholsame risikolose Bereich.
Da ist jemand, der eigentlich alles haben kann, was er will, und der mich trotzdem derart liebt, dass er sich lieber zu Tode martern lässt, als auf meine Nähe zu verzichten. Und da soll die Frage lauten, ob ich wage, ihm zu vertrauen? Die angemessene Frage ist: "Wie kannst Du es wagen, ihm NICHT zu vertrauen?!"

Das nette, süßliche, ach so menschliche, wo-man-gerade-ist-abholende Wagnis des Glaubens verstellt schnell den Blick auf das eigentliche, nicht ungefährliche Risiko: das Wagnis des Unglaubens.

Wie gesagt: Befindlichkeiten.

Dienstag, Oktober 30, 2012

Interessantes Gespräch


[Von Bastian]
Kürzlich hatte ich ein interessantes Gespräch über unterschiedliche Wahrnehmungen. Die Ausgangsfrage war: wie kann es sein, dass an einer Schule im Unterricht gesagt werden darf, Abtreibung sei im Zweifelsfall OK, aber nicht, Abtreibung sei im Zweifelsfall nicht OK? Wie kann es sein, dass eine Position vertreten werden darf, die Gegenposition aber nicht?
Meinungsdiktatur? Selbst in diesem Fall, in dem für alle evident eine Meinungsäußerung erlaubt und die andere verboten ist, kommt man damit nicht weiter, denn genau das ist auch der Vorwurf, der den Abtreibungsgegnern gemacht wird: sie wollten ihre Ansichten anderen aufzwingen. Mit der Antwort, die Abtreibungsbefürworter hätten eben das Sagen und nutzten das aus, wird man der Sache also nicht gerecht – sie würden sich gegen diese Anschuldigung verwahren! Damit bringt man kein Gespräch voran.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in den Meinungen, die vertreten werden, sondern in einer grundlegend unterschiedlichen Wahrnehmung dessen, was überhaupt eine Meinung ist. Darüber gibt es inzwischen einen großen gesellschaftlichen Konsens.
Wer sagt, Abtreibung sei eine Entscheidung der betroffenen Frau, in die man nicht hereinzureden habe, vertritt keine Meinung. Im Gegenteil enthält er sich jeder Meinung und verhält sich daher angemessen, weil es nicht um ihn geht. In dieser Logik kommt hier jede Meinungsäußerung einem Angriff gleich, da sie den Entscheidungsbereich der Frau antastet, indem sie manipuliert und unter Druck setzt. Da aber Manipulation und Ausübung von Druck an der Schule selbstverständlich nicht erlaubt sind, haben in den Augen der Gesellschaft Abtreibungsgegner zu schweigen. Man darf dagegen sein, aber niemandem in die eigene Entscheidung hineinreden.
Pro choice um der Freiheit willen ist weit mehr als das kurzsichtige Vertreten egoistischer Positionen, wie es oft dargestellt wird. Es ist vielmehr auf Grundlage einer allgemein anerkannten Logik eine durchdachte Gewissensentscheidung.

Diese Logik definiert Freiheit als die Möglichkeit, freie Entscheidungen aus einem freien und daher unbeeinflussten Gewissen heraus zu treffen. Gewissensbeeinflussungen sind abzulehnen, denn sie machen unfrei. Alleine ist der Mensch am freiesten.
Der Fehler, der dieser Logik innewohnt, wird vielleicht am deutlichsten, wenn man sie auf den Intellekt anwendet. Sie lautete dann: der beste Intellekt ist möglichst ungebildet, denn nur unbeeinflusst kann er sich entfalten.
Letztlich ist es eine völlig anders tickende innere Logik, die es Abtreibungsbefürwortern oft unmöglich macht, Argumentationen zu folgen, die für mich bestechend klar und einfach sind. Diese andere Logik, die eine Logik der Einsamkeit als Tugend ist, gilt es zu überwinden.

Freitag, Oktober 26, 2012

Drei-faltig!

Gott ist alt. Er hat schon drei Falten.

(Kindermund aus zweiter Hand, was ebenso missverständlich sein dürfte...)

Bedingungslose Annahme – aber dann!


[Von Bastian]
Jesu Verkündigung sei die vom menschenfreundlichen Gott, vor dem jeder Mensch eine unzerstörbare Würde habe und von ihm bedingungslos angenommen werde - egal, ob "heilig" oder "Sünder". Die Botschaft von einem Gott, der auf der Seite der Armen und Benachteiligten stehe.
Der auch mich bedingungslos annehme - in all meinem Unvermögen und meiner Gebrochenheit.
So wurde einmal das zusammengefasst, was persönlich für den großen Schatz an der Botschaft Jesu gehalten werde.

Oft habe ich von solchen Aussagen ob eines leichten inneren Konfliktes leichte Bauchschmerzen bekommen: einerseits stimmen diese Aussagen natürlich, andererseits scheinen sie doch die Lehre vom Reich Gottes zu relativieren, für das definitiv nicht alles gleich bzw. gleichwertig ist. Wenn ich nicht große Teile der Verkündigung weglassen will, dann hat dieses Reich als Eingang einen Gerichtssaal, den ich erst einmal als freier Mann verlassen muss, um hineinzukommen. Und das klingt nicht besonders bedingungslos.

In der Verkündigung gibt es, wie ich oft erlebe, zwei Richtungen, die jeweils einen der Aspekte zum höheren Gut machen. Manchmal scheint es einen unübersehbaren Wust an Vorschriften zu geben, die zu erkennen, zu bejahen und zu befolgen sind, bevor man sich „Christ“ nennen darf; manchmal scheint es ein großer Fehler zu sein, überhaupt einen Anspruch an sich zu stellen, außer dem einen, sich lieben zu lassen, wie man nun einmal ist. Beides leitet sich aus der Botschaft Jesu her, und es gibt endlose Diskussionen zwischen den Vertretern beider Ansätze, die sich dabei durchaus auch gegenseitig den richtigen, freien Glauben absprechen.

Das Missverständnis liegt dabei, so denke ich, darin begründet, dass nicht unterschieden wird zwischen der Begegnung mit Gott und dem Weg mit ihm. Es ist wahr: Christus will jedem Menschen begegnen, völlig egal, wie sehr er in Sünde und Schuld verstrickt ist. Diese Nähe Gottes ist bedingungslos, dogmen- und bekenntnisfrei und gilt selbst reueresistenten schweren Sündern. Insofern trifft die Aussage oben voll zu. Niemals darf eine Verkündigung diese bedingungslose liebende Nähe Gottes einschränken! Eine Theologie, die diese Nähe verkennt und an Bedingungen knüpft, verkennt Gott. Allerdings ist dies die Nähe, die zu ersten Begegnung führen soll. Es ist nicht die Beschreibung der Art von Freundschaft, die Gott sich mit dem Menschen wünscht. Gottes „Menschenfreundlichkeit“ ist nämlich mehr, als das Wohlwollen eines netten Beobachters, der letztlich nicht eingreifen will. Es ist eine tiefe Sehnsucht nach jedem und jeder einzelnen von uns, nach mir – eine Sehnsucht, die nur durch meine Liebe zu ihm gestillt werden kann. Gemeinsame Liebe aber bedeutet einen gemeinsamen Weg.
Im Klartext: sobald ich Gott begegnet bin, ist es mit der Bedingungslosigkeit vorbei. Dann heißt es: Willst Du mich lieben? Kommst Du mit?

Dann zu sagen: „Nein, ich bleibe, wo und wie ich bin, denn so liebst du mich!“ bedeutet, nicht zurück zu lieben. Eine Theologie, die sagt, für Gott sei alles gut und sein Wunsch sei, dass man das erkenne und sich einfach so geliebt wisse, redet zwar von Liebe, ist aber eine Theologie der Lieblosigkeit, denn sie antwortet nicht. Sie liebt nicht zurück.
Eine gute Verkündigung lehrt die Liebe in ihrer Fülle: im Geliebt-sein und im Selber-lieben. Und sie bekennt, was Gott uns sagt: Er hat uns zuerst geliebt.

Der Raum, den wir in dieser Liebe gemeinsam mit Gott betreten, ist die Wahrheit. Hier gibt es mehr, als persönliche Empfindungen – hier herrscht das Reich Gottes. Alle Regeln, Dogmen und moralische Vorstellungen, alle Gebete und alle Sakramente ergeben erst einen Sinn, wenn sie in diesem Raum und in seinem Licht betrachtet werden. Von außen betrachtet sind sie aus Stein, der im Weg stehen kann, von innen betrachtet sind sie aus Licht, das von Gott kommt. Und wenn ich das weiß, tue ich gut daran, sie zu pflegen, auch wenn sie mir wieder einmal steinern vorkommen, weil ich wieder einmal Liebe und Wahrheit verlassen habe. Doch das gute ist: auch dann gilt wieder Gottes erste und bedingungslose Liebe zu mir: er ist da. Es ist ein Hand-in Hand beider Aspekte: der Bedingungslosigkeit und der Größe und Fülle an Erkenntnis und Gesetzmäßigkeiten, die sich daraus ergeben.

Wer die Größe des Schatzes erkennen will, den die Kirche von Gott übergeben bekommen hat, der kann bedingungslos eintreten und sich dann belehren lassen. Wer verkünden will, soll Gottes bedingungslose Liebe lehren, aber er lasse niemanden am Eingang stehen, als sei das alles. Das Gericht, so denke ich, verlässt jeder als freier Mensch, der zumindest ein wenig zurückgeliebt hat. Den fehlenden Rest schenkt Gott: wer hat, bekommt noch dazu.

Mittwoch, Oktober 24, 2012

Weisheitsspruch

[Von Bastian]
Da es mal wieder um Kinder und Familien geht: im Baumarkt habe ich vorgestern ein stolzes junges Ehepaar getroffen, deren noch stolzere 3jährige Tochter das 3monatige Brüderchen durch die Gegend schob. Wir kamen kurz ins Gespräch. Ich erzählte, dass es mit immer mehr Kindern eigentlich immer einfacher werde - bei uns war die Umstellung von einem auf zwei kinder größer als die von zweien auf gleich vier.
Und ich schob den Kalauer nach, der nicht von mir, aber trotzdem weise ist und den ich daher jetzt auch hier einmal schreibe:

Den Unterschied zwischen dem ersten, zweiten und dritten Kind erkennt man, wenn das Kind einen Euro verschluckt:
Beim ersten Kind rennt man zum Arzt.
Beim zweiten Kind durchsucht man die Windeln.
Beim dritten Kind zieht man den Euro vom Taschengeld ab.

Man wird lässiger.

Elternreiche Familien

[Von Bastian]
Kinderreiche Familien gibt es immer weniger. In den Niederlanden versucht man nun, mit neuen Wegen die Familien wieder größer zu bekommen: mit mehr Eltern. (LINK)

Ich wünsche viel Spaß beim Festlegen der Erbfolge von Eltern, die die Kinder selbst nicht gezeugt haben, zu Geschwistern, die keine sind. Ebenso bei der Festlegung von Besuchsregelungen im Scheidungsfall oder der Frage, welches der 4 Elternteile Anspruch auf das Kindergeld hat oder welcher der Väter bei der Geburt dabei sein darf. Elternabende dürften sich mittelfristig zu Massenveranstaltungen entwickeln.
Die logische Weiterentwicklung: Stopp der Diskriminierung der Kinderlosen! Der Begriff „Eltern“ wird auf alle Erwachsenen ausgeweitet, gleich ob sie Kinder haben oder nicht. Überhaupt wäre anstelle des Wortes „Eltern“ die Einführung des Terminus „Person mit Zeugungshintergrund“ sinnvoll. Dabei muss selbstverständlich „Zeugung“ analog zu Gender nicht mit der biologischen Tatsache, sondern mit dem selbstgewählten Wunsch danach gleichgesetzt werden.

Kämpfen wir also für große und freie Familien in einer großen, freien Welt.

Als Schnorrer geh' ich über Leichen.

[Von Bastian]
Wenn ich mir Kleidung kaufe, oder Tee, oder Kaffee, oder Südfrüchte, oder ein Auto, oder Computerteile, oder ein Handy, oder, oder…  jedenfalls bin ich meistens froh, wenn es preiswert ist. Oft mache ich mir nicht klar, dass jemand anders da für mich bezahlt: in anderen Ländern. Mit Arbeit, die er/sie kaum vergütet bekommt, mit seiner/ihrer Gesundheit. Letztlich mit dem Leben, denn ich wollte so nicht leben. (LINK) (LINK) etc.

Eigentlich wollte Gott der einzige sein, der mit Seinem Leben für mich zahlt…

Prognosen sind gefährlich!

[Von Bastian]
Die 6 verurteilten Geologen in Italien (LINK) zeigen wieder einmal, dass unsere Gesellschaft sich mit dem gesunden Menschenverstand immer schwerer tut. Eine falsche Prognose hatte fatale Folgen: es wurden keine Vorkehrungen für ein Erdbeben getroffen, dass daraufhin unangekündigt eintrat. Für die fehlende Warnung vor dem Beben, bei dem zahlreiche Menschen umkamen, sollen die Wissenschaftler nun ins Gefängnis.

Abgesehen davon, dass ich kaum glaube, dass bei einer Vorhersage viel mehr passiert wäre, als offizielle Beschwichtigungen und Angst vor einer „überzogenen Panikmache“: wer, bitte, ist so blöde, sich jetzt noch aus dem Fenster zu lehnen? Die ersten Wissenschaftler sind von ihren entsprechenden Ämtern zurückgetreten. Ich wage die Prognose (hört, hört!), dass das noch viel mehr werden, wenn sich das Urteil bestätigen sollte. (LINK)
Allen, die das anders sehen, empfehle ich den Film „Der weiße Hai“ (engl.: „Jaws“). Abgesehen davon, dass das ein Klassiker ist, zeigt er peinlich realistisch, wie mit Warnungen umgegangen wird, selbst wenn es dabei um Leben und Tod geht.

Als ich noch bei der Flugsicherung war, sagte man uns: „Wenn Sie mal einen Fehler machen, der Folgen hat, wird eine 20-köpfige Expertengruppe nach 5 Monaten Diskussion erklären, was Sie allein in 5sec. hätten berücksichtigen müssen, und Sie dafür schuldig sprechen." Ich fühle mich daran erinnert.

Maaaahlzeit!


Für mich nicht folgerichtig.

[Von Bastian]

Die Piusbruderschaft schließt Bischof Williamson aus. (LINK)
Williamson habe sich «seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt und sich geweigert, den Respekt und den Gehorsam zu bezeigen, den er seinen rechtmäßigen Oberen schuldet».

Von der rechtmäßigen Führung entfernt?
Gehorsam und Respekt verweigert?
Das alles über Jahre?

Vielleicht irre ich mich ja, doch für mich klingt das, als habe Bischof Williamson damit genau im Geiste der Bruderschaft gehandelt.

Freitag, Oktober 19, 2012

Widerlich und doch bezeichnend!

[Von Bastian]
Eigentlich mag ich über derart widerliche Dinge nicht schreiben. Ich tue es nicht der Sache wegen, sondern weil es wieder einmal ein Zeichen für die absurde Weise ist, wie unsere öffentliche Meinung so tickt.
Der Bundesrat will ein Verbot der Sodomie gesetzlich verankern - im Tierschutz. Tierschutzverbände begrüßen das Vorhaben. (LINK)
Abgesehen davon, dass dieses Vorhaben eine unglaublich geschmacklos-makabere Komik beinhaltet, wird noch eines deutlich: der Mensch ist offensichtlich gesetzlich nicht mehr schützbar. Was beim Tier oder anderswo strafbar ist, ist beim Menschen ein Freiheitsrecht. Freiheit braucht eine Ordnung, die höher ist, als sie selbst, sonst ist jede Perversion schützenswert. Eine Gesellschaft mit diesem Verständnis von Freiheit ist auf Dauer nicht lebensfähig.

Mittwoch, Oktober 17, 2012

Im Westen nichts Neues.


[Peter Esser] Zur redaktionellen Einleitung dieses Interviews mit Bischof Overbeck und zum Zuschnitt der Fragen:

Ob die Redakteure einfach nicht realisieren WOLLEN, daß auch ihre Fixierung auf das ihnen richtig Erscheinende eine Form der Erstarrung ist? Ob sie vielleicht einmal die Toleranz aufbringen können, Andersartiges, verstörend Fremdes einfach einmal andersartig und verstörend fremd sein zu lassen? Katholisch katholisch sein lassen? Ist denn ihr Weltbild nur dann harmonisch, wenn alle Menschen die gleiche Einheitsjacke tragen?

Komischerweise nimmt keiner der Kirchenkritiker Anstoß an Forderungen Jesu wie der Feindesliebe oder der völlig vertrauenden Hingabe an den Willen des Vaters bis hinein in den Tod. Können sie denn wirklich sagen: »Meister – sofern sie Jesus ihren Meister nennen – alle diese Gebote habe ich von Jugend auf befolgt«?

Bitte Vorsicht bei der Rücksichtnahme!


[Von Bastian]
Das Karussell der gesellschaftlichen Spinnereien dreht sich weiter. Der neueste Coup:
Nachdem es als unerheblich gilt, ob ich Männlein oder Weiblein bin (Gender) und woher ich wirklich stamme (Leihmütter und anonyme Samenspender), ist es neuerdings wichtig, kein Alter zu haben.
Mit seiner Entscheidung, all seinen Beamten – zumindest übergangsweise – 30 Tage Urlaub zu gewähren, zieht das Land die Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Es hatte dieselbe Urlaubsstaffelung für die angestellten Landesbediensteten, die bislang auch für die Beamten gilt, als "altersdiskriminierend" gebrandmarkt.  (LINK)
Was nur scheinbar menschlich war – die Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit in unterschiedlichem Alter – war in Wirklichkeit eine Sauerei! Dank dieser neuen Regelung wissen wir, wie wir umzudenken haben: wahre Menschlichkeit ist, keine Rücksicht zu nehmen. Und es ist gut, dass das endlich gesetzlich festgeschrieben wird.

Weitere Beispiele:
Wer an der Kasse mit vollem Einkaufswagen einen Penner mit 2 Flaschen Bier vor lässt, diskriminiert ihn aufgrund seiner geringen finanziellen Möglichkeiten.
Wer im Straßenverkehr einem anderen Wagen die Vorfahrt lässt, sollte vorher sicherstellen, dass der andere Fahrer dasselbe Geschlecht hat. Er/Sie könnte sich sonst angemacht fühlen.
Wenn im Bus ein junger Mann den Platz für eine alte Dame frei macht, diskriminiert er gleich zweifach.

Es wird höchste Zeit, dass Schulbusse und Seniorentickets auf den Prüfstand kommen, ebenso wie „geschlechts“-spezifische Waschräume und Toiletten. Nieder mit den Unterschieden.
Unsere Fußballmannschaft (MANNschaft?) hat‘s kapiert. Nachdem sie eine ganze Weile forsch-maskulin aufspielte, besann sie sich doch noch und verwandelte in der letzten halben Stunde zum Ausgleich ihr Tor in ein feminin-warmes Nestchen für die Schweden. Na bitte – geht doch!

Montag, Oktober 15, 2012

39.045m gefallen - und jetzt?

[Von Bastian]
Felix Baumgartner hat eine sensationelle Ballonfahrt und einen ebenso sensationellen Fallschirmsprung hinter sich. Es war faszinierend, mit wunderbaren Bildern der Erde - ich habe es live verfolgt und jede Minute genossen.
Was mich aber am meisten berührt hat, war die Einblendung von Emails, die beim Sender eingingen. Eine davon lautete: "Glückwunsch, dass du deinen Traum verwirklicht hast!" Passend dazu sagte der Reporter gegen Ende des Sprungs (nach meiner Erinnerung - ähnlich war es in jedem Fall): "Baumgartner hat mit Sicherheit die aufregendsten und wichtigsten Minuten seines Lebens hinter sich!" Gibt es etwas trostloseres?

"Traum verwirklicht", "die wichtigsten Minuten hinter sich" - das klingt wie "Lebensziel erreicht" oder zumindest "den persönlichen Gipfel erklommen". Der Mann ist 43 und am Ziel? Mehr ist nicht?
Die Gesellschaft ist so drauf, dass sie Menschen bewundert, die einmal was ganz tolles gemacht haben. Sie bewundert Ehrgeiz, Wagemut und Selbstvertrauen. Kurz: sie bewundert Leistungen, die herausragen. Doch Leistung und Prestige als Sinn des Lebens? Tut mir leid, aber da habe ich mehr vor!

Das Abenteuer, das mein Leben bedeutet, stammt nicht von mir, und ich  habe es allerallerallergrößtenteils noch vor mir (denn ich beabsichtige, mit Gottes Gnade ein ewiges Leben zu führen!). Es wurde auf mich zugeschnitten von dem, der die Naturgesetze schuf, die Baumgartner für sich ausnutzte. Ich sitze an der Quelle!
5 Jahre lang hat Baumgartner sich vorbereitet - meine Vorbereitung dauert das ganze Leben. Sein Sprung war lebensgefährlich - meiner erfolgt am Ende des Lebens. Es hatte 4'19'' freien Fall - ich werde unbegrenzte Freiheit haben. Er sah die Erde von oben - ich werde Gottes Angesicht und die gesamte Schöpfung sehen. Er kam sicher unten an - ich werde sicher oben ankommen. Er hatte eine Pressekonferenz - ich werde das jüngste Gericht erleben.
DAS, liebe Gesellschaft,  ist ein Abenteuer und ein Sinn, der lohnt.


Sonntag, Oktober 14, 2012

Tröstlich!

[Von Bastian]
Brief an die Hebräer 4,12-13. Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.
Früher machten mir solche Aussagen in der Schrift Angst; heute trösten sie mich. Denn hier wird mir zugesagt, dass Gott sich von all dem Unsinn, den ich veranstalte, um vor ihm gut dazustehen, nicht beeindrucken lässt. Dass Er mich sieht, wie ich wirklich bin und dass daher Seine Liebe zu mir wirklich bedingungslos ist. So viele Gedanken, die ich mir mache, sind überflüssig. Nichts ist Ihm verborgen, Er sieht, Er richtet und ich darf in Seine Kirche. Es gibt nichts entspannenderes, als von Gott durchschaut zu werden.

Sonntag, Oktober 07, 2012

Für's Tagesevangelium wieder hochgeholt.





[ER]Ein mir namentlich bekannter Autor hat den Sitz im Leben des heutigen Evangeliums herausgefunden. Und ich freue mich sehr, das geneigte Publikum an den Früchten der mühseligen Rekonstruktionsarbeit theylhaben zu lassen. Herzlichen Dank an Anonymus!

"Von dort brach Jesus auf und kam nach Judäa und in das Gebiet jenseits des Jordan. Wieder versammelten sich viele Leute bei ihm, und er lehrte sie, wie er es gewohnt war. Da sagten seine Jünger: „Jesus, lass uns doch mal einen Dialog führen. Die Menschen möchten das. Von allen Seiten bedrängen sie uns. Dialog, Dialog – das ist es was sie wollen. Nicht immer nur zuhören.“ Und sogleich erhoben sich einige Theologen, nickten beifällig und eröffneten den Diskurs: „Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen?“ Jesus antwortete ihnen mit einer Gegenfrage: „Was hat euch Mose vorgeschrieben?“ Die Theologen sahen sich an, lächelten fein und sprachen: „Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen.“ Jesus entgegnete ihnen: „Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Da wurden die Theologen zornig und verfassten an Ort und Stelle ein Memorandum: „Die Kirche ist kein Selbstzweck. Sie hat den Auftrag, den befreienden und liebenden Gott Jesu Christi allen Menschen zu verkünden. Das kann sie nur, wenn sie selbst ein Ort und eine glaubwürdige Zeugin der Freiheitsbotschaft des Evangeliums ist.“ Da trat ein kleines Grüpplein hervor, schwenkte eine Petition in Richtung der Jünger und entgegneten den Professoren: „Aber die Freiheitsbotschaft des Evangeliums ist doch das, was Jesus gerade gesagt hat, oder?“ Die Professoren schmunzelten über diesen kindischen Einwurf, warfen sich beredte Blicke zu und antworteten wie aus einem Munde: „Der Respekt vor dem individuellen Gewissen bedeutet, Vertrauen in die Entscheidungs- und Verantwortungsfähigkeit der Menschen zu setzen. Diese Fähigkeit zu unterstützen, ist auch Aufgabe der Kirche; sie darf aber nicht in Bevormundung umschlagen. Damit ernst zu machen, betrifft besonders den Bereich persönlicher Lebensentscheidungen und individueller Lebensformen. Die kirchliche Hochschätzung der Ehe und der ehelosen Lebensform steht außer Frage. Aber sie gebietet nicht, Menschen auszuschließen, die Liebe, Treue und gegenseitige Sorge in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder als wiederverheiratete Geschiedene verantwortlich leben.“ Auch die Jünger Jesu waren nun sehr verunsichert. Wer hatte nun recht? Deshalb befragten die Jünger Jesus noch einmal darüber: „Also was sollen wir den Leuten denn jetzt sagen? Was ist denn jetzt deine Freiheitsbotschaft in dieser Frage? Nur damit wir es den Leuten nicht falsch erklären?“ Jesus sagte: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.“ Und er stand auf und ging. Die Theologen aber riefen ihm nach: „Selbstgerechter moralischer Rigorismus steht der Kirche nicht gut an! Die Kirche kann nicht Versöhnung mit Gott predigen, ohne selbst in ihrem eigenen Handeln die Voraussetzung zur Versöhnung mit denen zu schaffen, an denen sie schuldig geworden ist!“ Jesus aber war schon auf dem Weg nach Jerusalem."

Freitag, Oktober 05, 2012

Piusbruderschaft – wie darauf reagieren?


[Von Bastian]
Dass es mit den Piusbrüdern und uns erst einmal nichts wird, hatte ich befürchtet. Mir tut das sehr leid – um ehrlich zu sein am meisten für Papst Benedikt, danach erst für die Piusbrüder selbst. Es wäre eine tolle Sache gewesen.
Worüber ich mir aber fast noch mehr Gedanken mache, sind die Reaktionen auf das Ende der Gespräche, meine eigenen und die, die ich im Internet lese
Natürlich ist man selbst emotional an einem solchen Prozess beteiligt. Natürlich macht sich diese Emotion Luft, wenn das Ergebnis feststeht, in Form von „Endlich!“ oder „Oh nein!“. Und natürlich muss man selbst erst einmal ein eigenes Verhältnis zu den neuen Tatsachen finden.
Mir ist dabei wichtig, dass ich Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche bin, und das aus Überzeugung. Meine Kirche gibt es nur in Einheit mit Rom. Das ist eine Herausforderung, denn der ganze Einigungsversuch lief so ab, dass es durchaus zu Konflikten in mir selbst kommen konnte: ich hätte vieles anders gemacht und anders reagiert und überhaupt! Das ist erst einmal legitim, doch irgendwann muss ich wieder ruhig werden und mein Vertrauen auf Gott über die eigenen Bedenken stellen. Das ist immer wieder auch ein Willensakt – leichter ist das Verharren in der eigenen emotionalen Position.

Wenn ich als Ergebnis festhalte, dass Rom nun endlich das getan hat, was ich ohnehin bereits wusste, bin ich auf derselben Schiene wie die Piusbruderschaft: ich ordne Rom meiner Meinung und Interpretation unter. Rom hat mir zu folgen und war hier folgsam, wenn auch etwas langsam. Wenn ich mich daran festhalte, Rom habe einen großen Fehler gemacht, und auf bessere Zeiten warte, habe ich genau die Position der Piusbruderschaft, die sich als nicht einigungsfähig herausgestellt hat: ich folge dir, wenn du hingehst, wo ich hin will. Ich kann nicht jemandem folgen, auf den ich gerade warte.

Die Falle, die sich hier gleichermaßen in Richtung der Freunde und der Gegner der Bruderschaft auftut, ist die Versuchung, selbst zu bestimmen, was katholisch ist, und im Namen des Katholizismus zum Kirchengegner zu werden.

Warum aber soll ich keine eigene Meinung haben? Es kann doch nicht sein, dass ich die beim Kircheneintritt an der Garderobe abgeben muss, wenn ich mich katholisch nennen will. Tut der Autor dieser Zeilen nicht gerade genau dasselbe: bestimmen, was katholisch ist? Die Frage ist essentiell, denn Katholizismus kann und darf keine Bevormundung sein.
Dieser Einwand ist immer berechtigt, wenn es um politische – auch kirchenpolitische – Fragen geht. Das hat etwas mit der Einschätzung einer Situation zu tun, mit Taktik und Kalkül. Das aber stand hier nicht zur Debatte. Hier ging es um eine Frage der Wahrheit: lässt sich die Piusbruderschaft von ihrem Glauben her in die katholische Kirche einordnen? In Fragen dieser Art entscheidet die Kirche.

Der Blick darauf, dass es hier um eine Glaubensfrage geht und nicht um Politik, wurde oft verstellt. Immer wieder wurden in den Diskussionen taktische und politische Aspekte angeführt. Diese Aspekte gibt es, nur dass sie hier mögliche Folgen der Entscheidung waren, nicht aber mögliche Gründe dafür. Der Glaube ordnet sich keinen taktischen Überlegungen unter. Erzbischof Müller sagt: „Wir können den katholischen Glauben nicht den Verhandlungen preisgeben. Da gibt es keine Kompromisse.“ Mit dem Ausspruch macht er nicht klar, dass die Kirche endlich einmal ihre Identität bewahren will. Er setzt auch kein Zeichen, dass die Kirche weniger „rechts“ ist, als viele meinen. Es geht nicht um die Außenwirkung, sondern um viel mehr: um die Wahrheit. Uns so sehr ich bereit bin, bei der Außenwirkung mitzureden, bin ich auch bereit, in Wahrheitsfragen Rom zu folgen. Genau darum bin ich schließlich in der Kirche: weil ich in ihr Gott finde und mich durch sie von Ihm leiten lasse. Die Person von Erzbischof Müller spielt da gar keine Rolle.

Das Ergebnis ist kein Sieg für irgendjemanden und auch kein Verlust. Es ist das Feststellen einer Tatsache. Um diese Tatsache selbst wird es ohne neue Aspekte nicht mehr gehen, doch auf dieser Basis wird es weiter gehen. Ich denke, die Botschaft der Kirche an uns ist diese: Kopf frei von Enttäuschung und Genugtuung und Ring frei für die nächste Runde von Gesprächen und Gebeten.

Donnerstag, Oktober 04, 2012

Was sagt das über unsere Presse?

[Von Bastian]
Focus online berichtet über das TV-Duell zwischen Obama und Romney. Und zwar gleich zweimal. In dem Moment, in dem dieser Beitrag entsteht, ist das Duell die erste Schlagzeile, die zu diesem Artikel führt und Obama ein Desaster zuspricht. Zugleich ist es der erste Hinweis auf einen Filmbericht, der hierher führt, und komischerweise unter dem Titel "Hier punktet Romney gegen Obama" von einem Sieg Obamas spricht.
Wie der Titel der Zeitung schon impliziert: es hängt wohl sehr davon ab, was man gerade fokussiert. Oder anders gesagt: man sieht, was man sehen will.

Montag, Oktober 01, 2012

Esser wie Messer

Günter Wallraff (»Der Mann, der bei BILD ›Hans Esser‹ war«) wird siebzig. Damit er sich nicht angegriffen fühlt, gratuliere ich schon mal vorsichts- und überzeugungshalber. Er hat sich schließlich nicht nur Freunde geschaffen. Ich erinnere mich noch daran, daß ich seine Reportage »Ganz unten« atemlos gelesen und viel davon profitiert habe.

Zum Geburtstag tat er jedoch seinen Glauben kund, daß man sich zur Verteidigung der Freiheit gleich über alle Religionen lustig machen sollte. Der aktuelle Hintergrund ist natürlich der Streit um Schmähvideos und die Reaktionen in der islamischen Welt. Mit Beruhigung schließe ich daraus, daß er sich nicht in eine Moschee einschleichen wird – wie er es zum Beispiel als vorgeblich beichtwilliger »Ali« gemacht hat, um überforderte katholische Priester vorzuführen. Also keine Gefahr für Leib und Leben für »Ali«.

Stattdessen also allgemeiner Spottprotest gegen alle Religionen. Das ist aber in etwa so sinnvoll, wie zum Ladendiebstahl in Deutschland aufzurufen, um damit Protest gegen empfindliche Körperstrafen für ertappte Diebe in anderen Regionen der Erde einzulegen. Oder das zu tun, was die Friedensbewegung einst als »fucking for virginity« bezeichnete.

Wallraff und andere übersehen, daß Freiheit nicht darin besteht, willkürlich gegen diejenigen zu pöbeln, deren Nase mir zu Recht oder Unrecht nicht gefällt. Freiheit bedeutet, mich zu dem entscheiden zu können, was ich tun soll.

Wäre es anders – und ignoranter Spott ein Ausweis der Freiheit: Das bedeutete die Rechtfertigung des Soldatenstiefels, der den Leuchter zertritt.

Donnerstag, September 27, 2012

In eigener Sache

[Von Bastian]

Derzeit herrscht bei mir etwas Funkstille.
Der Grund ist, dass ich so viel zu tun habe, dass ich die Zeit zum Bloggen nicht finde.
Das wird ein paar Wochen so gehen - danach bin ich wieder voll da, denke ich.
Bis dahin: bleibt katholisch (sonst müsst Ihr einen Brief lesen, den ich keinem wünsche!).

Bastian

Donnerstag, September 20, 2012

Wie gut, dass es den Focus gibt!

[Von Bastian]

Ganz gleich, ob er Gottes Sohn war oder nicht: Die Geschichte von Jesus Christus ist die größte Geschichte aller (bisherigen) Zeiten.
So beginnt ein Artikel mit dem Titel "Auferstanden in die Unsterblichkeit" (LINK), auf Focus.de beworben mit "Was wir wirklich über Jesus wissen".
Gut, dass das endlich mal jemand verkündet!
Allerdings: wer auch immer "wir" ist: ich bin nicht dabei.

Sensationsfund in Höhle 08-15!

(Peter Esser) Papyrus-Los-Wochos in der Blogoezese, wie Georg Schimmerl treffend bemerkte. Nach der Entdeckung eines kleinen, jedoch zweifelhaften Schnipsels, der angeblich beweisen soll, daß unser Herr auch Herrchen war (»Herr-Herrchen-Hypothese«) hat nun eine mir möglicherweise namentlich bekannte, wenn auch bisher in großen Teilen der Fachwelt unbeachtet gebliebene Bonner Papyrologin ein Foto mit folgendem Text zugespielt:

»Ich hab gerade in meinem Wust ein Fragment gefunden, dass höchstwahrscheinlich Jesu innige Beziehung zu einem Hasen beweist. Es zeigt die angedeutete Abbildung eines langohrigen Tieres, welches eine Schütte mit ovalen Gegenständen auf dem Rücken trägt. Daneben ist zu entziffern: ›.....zu mir....müh...beladen...‹. Das dürfte wohl wahrscheinlich eindeutig sein!«

Ja, das erscheint uns tatsächlich wirklich eindeutig. Muß nun die Geschichte des christlichen OSTERFESTES umgeschrieben werden?

Lesetipp: Katholon

Es ist einfach cool: LINK

Verkündigung und Dialog

[Von Bastian]
Jesus wünscht, man solle in jedem Mitmenschen Ihn erkennen: „Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Das heißt, der Blick geht durch den Menschen zu Gott. Dieser Blick ist angemessen, denn der Mensch ist Gottes Ebenbild. Sein Wert wird erst in diesem Licht wirklich erkannt.
Unangemessen hingegen ist die Verdrehung dieser Aufforderung, man solle Gott nur im Menschen finden - was über das Menschliche hinausgeht, sei sinnlos. „Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar… Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?“ (Joh 12,3-5) Der Blick auf Gott bleibt beim Menschlichen stecken. Er sucht eine Lösung dort, wo es keine gibt, und endet in der vermeintlichen Erkenntnis der eigenen Wertlosigkeit.

Der Blick auf Gott bringt den Wert des Menschen hervor, der auf den Menschen fixierte Blick lässt beides schwinden, Gottesbeziehung und Menschenwürde. Der Grund ist klar: da Gott in jeder Hinsicht größer ist, als der Mensch, muss er kleiner werden und seine Größe verlieren, wenn man ihn am Menschlichen zu definieren versucht. Der Mensch hingegen wächst, wenn Gott durch ihn scheint. Das Kleinere findet im Größeren Raum – umgekehrt nicht. "Ich glaube an Christus, so wie ich glaube, dass die Sonne aufgegangen ist, nicht nur, weil ich sie sehe, sondern weil ich durch sie alles andere sehen kann." - C. S. Lewis, Ist Theologie Dichtung? Gott umfängt den Menschen und sein Leben.

Wenn ich also den Glauben verkünde, kann ich das nur, indem ich über mich hinaus verweise. Der Blick geht zu Gott. Selbstverständlich ist Verkündigung mehr als das Reden über Prinzipien. Sie kann gar nicht anders, als von der Lebenssituation dessen auszugehen, dem verkündet wird. Deshalb ist das Hören ein wesentlicher Teil der Verkündigung. Sie bleibt jedoch nicht dabei stehen, sondern sie taucht diese Lebenssituation in ein neues Licht, das Licht des Glaubens, in dem vieles anders beurteilt wird. Lösungen werden langsam sichtbar, aber auch neue Probleme: ich werde durch Liebe und Vergebung befreit, erkenne aber zugleich auch immer klarer, wo ich stehe und wie sehr ich Gott brauche. Das wieder führt mich einen Schritt weiter. Verkündigung ist nicht nur Belehrung – sie ist auch Austausch in Wort und Tat. Sie ist Dialog auf dem Weg zu und im Blick auf Gott und endet im Gebet.

Was Verkündigung jedoch nicht sein kann, ist der umgekehrte Weg, der Weg, auf dem der Blick von Gott weg auf mich selbst gerichtet wird. Es geht in die falsche Richtung, wenn ich nicht mehr auf den Menschen höre, um ihm Gott zu zeigen, sondern wenn ich auf ihn höre, um Gottes Willen nach dem Gehörten umzudeuten. Nicht mein Leben erscheint dann im Lichte Gottes, sondern Gott erscheint im Lichte meines Lebens, was so zum Maßstab wird. Die Lösungen, die dann sichtbar werden, bestehen darin, dass Gott, der immer mehr meiner Situation angeglichen wird, mich immer weniger infrage stellt. Dazu muss ich natürlich gehört werden. Verkündigung ist hier Dialog auf dem Weg zu mir selbst und im Blick auf mich selbst. Sie endet, da Gebete zu Selbstgesprächen werden, in Forderungen an die Menschen, denen ich fälschlicherweise zutraue, sie könnten Gott neu definieren: an die Kirchenleitung. Paradoxerweise gehen diese kirchenkritischen Forderungen, die die Kurie zum Herrn über Gott erheben, von einer Autorität des Papstes und seiner Leute aus, die selbst dem dogmatischsten Traditionalisten zu viel wäre.

Wenn es in der Kirche einen Dialog geben soll (und muss!), dann sollte klar sein, worin er besteht. Versuche ich, im Gespräch die Lebenssituation vieler Menschen besser zu begreifen, um ihnen Gott näher zu bringen, ist das sinnvoll und wichtig. So kann Evangelisation beginnen. Der Dialogprozess könnte der erste Schritt zu einer großen Welle der Bekehrungen und Glaubensvertiefung werden. Wenn ich aber das Gespräch suche, um den Glauben daran neu zu definieren, wenn ich es als Ziel ansehe, auf dieser Basis lehramtliche Entscheidungen zu treffen, dann maße ich mir eine Autorität an, die ich nicht habe: Gott ist das Licht, nicht ich. Dann habe ich die Verkündigung ersetzt durch den Versuch, das Große in das Kleine zu stecken und bin so dabei, es zu verlieren.

Die Tatsache, dass Verkündigung immer auch dialogisch ist, bedeutet nicht, dass jeder Dialog automatisch richtig ist. Heilvoller Dialog über Gott geschieht im Lichte Gottes. Er endet nicht mit der Bestandsaufnahme, sondern im Gebet. Ein Prozess, der darauf beruht, dass die eine Seite Gott verkünden, die andere aber seine Lehre verändern will, ist kein Dialog, sondern institutionalisiertes Aneinandervorbeireden. Am Ende bleiben Verwundungen auf beiden Seiten und vielleicht gar der merkwürdige Versuch, den unendlichen Gott in Kompromisse zu fassen, die naturgemäß nicht einmal mehr so groß sind wie die Erkenntnis eines Einzelnen.
Die Berichte, die man vom derzeitigen Dialogprozess hört, legen, wie ich meine, dringend nahe, ihn auf die Logik hin zu überprüfen, die ihm zugrunde liegt.