Freitag, Januar 13, 2017

Neues Interview S. E. Bischof Oesterhagen

Presse: Herr Bischof, was halten Sie von der Mehr-Konferenz?

Bischof Oesterhagen: Ach wissen Sie – für manche Dinge bin ich einfach zu alt. Deshalb…

Presse: Haben Sie denn einen Teil im Internet verfolgen können?

Oesterhagen: Bitte lassen Sie mich doch ausreden. Deshalb habe ich darauf verzichtet, zu tanzen, und mich immer ganz hinten auf die Tribüne gesetzt. Inkognito, damit ich keine Interviews geben musste.

Presse: Sie waren tatsächlich selber dort? Was war Ihr Eindruck?

Oesterhagen: Nun, einige der Aussagen waren mir etwas fremd.

Presse: Sie hatten theologische Probleme mit den Referenten?

Oesterhagen: Nein, eher grammatikalische mit den Besuchern. Wenn junge Leute im Gespräch begeistert kundtun, der heiße Lobpreis sei einfach cool oder sie seien ganz weg von der Idee, einfach da zu sein, dann glaube ich zwar zu verstehen, was sie meinen, aber ich würde es doch anders formulieren.

Presse: Damit sind wir gleich bei einem der Kritikpunkte: ist eine solche Sprache, ist ein solcher Stil geeignet, Menschen zurück in die Kirche zu führen? Das fragen sich viele, die sehen, dass sogar die Messe mit dem Bischof so gestaltet wurde.

Oesterhagen: Wo soll ich anfangen? Schauen Sie, wenn dort 8000 Menschen zusammen mit dem Bischof die Heilige Messe feiern – wie sollen die zurück in die Kirche? Sie sind doch gerade drin, oder? Also zumindest, wenn ich als Bischof die Messe feiere, habe ich schon den Eindruck, es finde im Rahmen der Kirche statt. Sie nicht?

Presse: Äh... sicher, doch… Aber Ihre Messen laufen auch anders ab.

Oesterhagen: Tun sie das? Schuldbekenntnis, Kyrie, Gloria, Lesungen, Evangelium, Homilie, Eucharistiefeier, Segen – das mache ich doch genauso.

Presse: Bei Ihnen ist es stiller…

Oesterhagen: Das hoffe ich doch nicht! Wenn in der Messe das Kyrie kein Schrei zu Gott ist, das Gloria kein Jubel und die Predigt keine flammende Ermutigung, dann taugt sie nichts. Dann ist die Eucharistiefeier eine Einladung an den Herrn in eine Gruppe, die ihn anschweigt oder ihm bestenfalls freundlich zunickt. Er kommt, denn er ist treu. Aber wir haben unseren Job nicht getan. Eine Messe muss laut sein. Laut vor Gott. Der Herr misst Lautstärke nicht in Dezibel, sondern in Leidenschaft. Wissen Sie, wenn wir am Hochaltar im Dom die Messe in der außerordentlichen Form zelebrieren, an unserem wunderbaren Hochaltar, den wir gerade von wirklichen Künstlern instandsetzen ließen, denn die Farbe wurde vom Weihrauch angegriffen, und billig war das nicht – aber wo war ich? Ach ja, richtig: warum tun wir das und feiern dort? Weil es für viele Menschen der Ort ist, an dem sie wahrhaft beten können. Form, Ruhe und Stille sind der Raum, in dem es laut vor Gott wird: Dank, Jubel, aber auch Hilfeschreie kommen von dort vor ihn. Und er kommt zu uns. Das ist Messe. Und genauso war es auf der Konferenz.

Presse: Doch in Ihrer Messe muss nicht jeder an allem teilnehmen, was die anderen denken. Lieder entarten nicht zum Geschrei, Gebete nicht zum öffentlichen Outing. Wo ist die Würde der Feier?

Oesterhagen: Ja, genau das ist die Frage: wo ist die Würde? Worin liegt sie? Sie liegt nicht in uns, sondern in Gott. Wir haben in jeder Messe zu Beginn ein öffentliches Outing: Herr, ich habe gesündigt. Ich bin ein schlechter Mensch. Und ich bitte alle Anwesenden, seien sie lebendig oder beim Herrn, dringend um Gebet. Ist es würdig, mit der eigenen Sünde hausieren zu gehen? Ja, weil Gott sie vergibt. Die Idee, ich könnte selbst würdig sein, ist absurd. Fällt denn niemandem auf, dass wir in jeder Messe, selbst nach einer Beichte, nachdem wir fast eine Stunde würdig beteten, sangen, knieten, saßen und standen, bekennen: Herr, ich bin NICHT würdig… Und erst dann begegnen wir ihm.

Presse: Müssen wir da nicht unterscheiden zwischen den Menschen und dem Ritus? Im würdigen Ritus kommt Gott zu unwürdigen Menschen.

Oesterhagen: Das haben Sie schön gesagt. Genauso ist es. Wann also ist der Ritus würdig? Oder besser: für wen soll er würdig sein? Ich denke, man kann es ganz kurz sagen. Es gibt zwei Voraussetzungen: er muss vollständig sein und er muss Gott gefallen. Vollständig, weil ich vom Heil nichts abschneiden kann, ohne es letztlich zu verlieren, und gottgefällig, weil ER uns in der Feier begegnet.

Presse: Man hat jedoch den Eindruck, dass diese Vorträge und diese Lieder eher dazu angetan waren, den Menschen zu gefallen. Dass es doch sehr um eine gute Stimmung ging.

Oesterhagen: Nun, ich begreife immer weniger, was Sie wollen. In jeder Messe freut man sich, wenn die Musik gut ist. Mir ist noch nie jemand begegnet, der sich nach der Kirche für schlechtes Orgelspiel bedankt hätte oder dafür, dass ich heiser gesungen habe. Für eine gute Predigt habe ich Gott sei Dank schon ein paarmal Lob bekommen, für eine schlechte hat sich noch keiner bedankt. Über Schlechtes wird sich beschwert. Hier soll auf einmal der Gute falsch sein? Wo ist Ihre Logik geblieben!

Presse: Es ist halt nicht jedermanns Sache, solche Musik… Unwürdig, wie manche meinen.

Oesterhagen: Nein, es gefällt nicht jedem. Oder man hat andere Schwerpunkte. Ich höre am liebsten Palestrina und Bach. Das macht aber nichts, das ist in Ordnung, denn die Lieder werden nicht für die Kritiker gesungen, sondern für Gott. Wissen Sie, als ich ein junger Kaplan war, war ich Mitarbeiter bei einem alten Priester. Und der schickte mich regelmäßig an die Orgel, wenn er die Messe feierte, obwohl ich kaum spielen konnte. „Zur Ehre Gottes!“ sagte er. Ich sagte, man solle Ihn doch lieber mit guter Musik ehren, nicht mit einem solchen Gejaule. Er antwortete, er schicke mich so lange an die Orgel, bis ich gelernt hätte, dass man Gott nicht mit Perfektion, sondern mit Liebe ehrt. Ich könne natürlich auch versuchen, so gut Orgel zu lernen, bis es Gott imponiere. Es hat eine Weile gedauert, bis ich es wirklich begriffen hatte, aber es war heilsam. Gott muss es gefallen. Und ich versichere Ihnen: dieser Lobpreis war randvoll mit Liebe!

Presse: Man könnte Ihre Position im Streit um den Sinn solcher Konferenzen also wie folgt zusammenfassen:…

Oesterhagen: Nein! Kann man nicht.

Presse: Äh…

Oesterhagen: Sehen Sie, ich beziehe keine Position in einem Streit. Das wäre nicht im Sinne des Herrn.

Presse: Es gibt sie aber schon, diese Differenzen um Events dieser Art.

Oesterhagen: Wir reden über Liebe. Wenn ein junger Mann sich bis über beide Ohren verliebt – welch ein Event! Was tut er? Ich werde Ihnen sagen, was er NICHT tut. Er wird NICHT seine Freunde anrufen, um ihnen zu erklären, was gerade psychologisch in ihm vorgeht und warum das Kribbeln im Bauch eigentlich unwichtig ist, ja als schwärmerisches Gefühl sogar von der wahren Liebe ablenkt. Er wird hingegen seinen Freunden von seiner Liebsten vorschwärmen. Er wird die Blumen, die er ihr schenkt, selbst lieben, weil sie für SIE sind. Und wenn seine Freunde gute Freunde sind, werden sie ihn verstehen. Und wenn er ausruft: „Dieser Freu MUSS man einfach Blumen schenken!“, dann werden sie sich für ihn freuen. Was die Freunde NICHT tun werden: ihn zur Rede stellen und ihm vorwerfen, er sei unfrei, denke nur an sein Vergnügen und nötige sie zudem, einer unbekannten Frau Geschenke zu machen. Als gute Freunde werden sie erkennen, dass er gerade ganz besonders frei ist, weil er liebt.

Presse: Und zugleich werden sie wissen, dass dies nicht der Alltag ist.

Oesterhagen: Und wenn sie lebensklug sind, werden sie bedenken, dass eine Ehe in schweren Zeiten umso besser besteht, je mehr die Ehepartner in der Lage sind, sich einfach aneinander zu freuen. Wer im Überschwang des Glücks zu trinken vermag, steht Durststrecken besser durch. Eine sehr kluge alte Frau hat mir einmal das Geheimnis ihrer gelungenen Ehe verraten: Liebe, sagt sie, ist wichtig und gut. Aber ein wenig Verliebtheit muss man sich immer erhalten. Sehen Sie, der junge Mann gibt Zeugnis von seiner Liebe. Und seine Freunde erkennen das und lassen es als das stehen, was es ist. Daraus einen Streit zu machen wäre absurd. Ich hoffe sehr, dass ich in diesem Gespräch nicht wirke wie einer, der erklären will, warum Liebe sinnvoll ist, sondern wie einer, der liebt. Und darum beziehe ich keine wie auch immer geartete Position. Gott gefällt es, wenn wir Zeugen sind. Anwälte braucht er nicht.

Presse: Gefällt es Gott denn auch, wenn Katholiken und Freikirchler zusammen versuchen, an einem Strang zu ziehen? Besteht da nicht eine erhebliche Diskrepanz zwischen der katholischen Lehre und der aggressiven, der europäischen Frömmigkeit fremden Inszenierung eines Ben Fitzgerald, wie Magnus Striet sagte?

Oesterhagen: Sie erinnern sich daran, dass Ben Fitzgerald erzählte, wie er zusammen mit einem Katholischen Priester für einen Kranken betete?

Presse: Sie wollen doch nicht etwa sagen, das waren SIE?

Oesterhagen: Das sollten Sie jedenfalls nicht ausschließen.

Presse: Herr Bischof, ich höre an dieser Stelle lieber auf. Wir bedanken uns für dieses Interview.

Montag, Januar 02, 2017

Grüne erkennen Straftäter am Geruch.

GrünInnen-Chefin Simone Peter sprach sich nachdrücklich dagegen aus, potentielle Straftäter aufgrund ihres Aussehens zu beurteilen und rief damit einen Sturm der Entrüstung hervor. Doch zeigt Peter damit letztlich eine beispielhafte Konsequenz. So wird verständlich, warum die GrünInnen gegen Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen sind: aufgrund von Filmaufnahmen können Täter ausschließlich aufgrund ihres Aussehens gefunden werden – für Peter und ihre ParteigenossInnen ein Unding.
Man mag dieser Betrachtungsweise kritisch gegenüber stehen, doch sollte man sie verstehen, um sie richtig und differenziert beurteilen zu können. Die GrünInnen erkennen Straftäter nämlich am Geruch. Dabei gehen sie sehr klar und eindeutig vor: wer ihnen stinkt, ist ein Gefährder oder Täter. Wer ihnen hingegen nicht stinkt, muss geschützt werden. Teils hängt das von der Richtung ab, in der gesellschaftlich gerade der Wind weht, teils stinken bestimmte Gruppen für GrünInnen aber auch meilenweit gegen den Wind.
So ergibt sich ein eindeutiges Täterprofil. Die Polizei täte gut daran, es zu beachten, wenn sie nicht weiter an den Pranger gestellt werden will.

Samstag, Dezember 17, 2016

Von meinem Recht, dagegen zu sein.

In der Nacht, als Trump siegte, sangen vor dem Weißen Haus Chöre gegen Ausgrenzung und Rassismus. Sie sorgten damit bei mir für einen Schub des Nachdenkens, dessen Ergebnis dieser Artikel ist: warum, fragte ich mich, stellen sich da bei mir die Nackenhaare auf, obwohl ich weder Rassist bin noch irgendjemanden ausschließen möchte? Was ist daran falsch, oder erscheint mir zumindest so?

Das Problem, so scheint mir, ist, dass in weltanschaulichen Fragen heute keine Meinung mehr vertreten wird, sondern eine Nicht-Meinung. Genauer noch: es ist MEINE Nicht-Meinung, für die andere eintreten. Sie vertreten nicht ihre Meinung, sondern fordern, dass ich keine habe oder sie zumindest für mich behalte. Nicht mehr bestimmte Meinungen werden bekämpft, sondern Meinungen an sich. Sind nämlich persönliche Einstellungen erst Privatsache, entfallen alle Reibungspunkte in der Gesellschaft. Dann gibt es keinen Konflikt mehr und es herrscht Frieden. Weniger nett formuliert ist es die Logik jeder Diktatur: solange alle die Schnauze halten, herrscht Ruhe.
Folglich darf ich beispielsweise für mich entscheiden, niemals abzutreiben, aber ich darf dies von niemandem fordern. Schon die Äußerung, dass ich Abtreibungen möglicherweise für falsch hielte, darf nicht sein. Selbst die Idee, dass Kinder etwas Schönes sind, könnte jemanden stören, der sich gegen sein Kind entschieden hat, und darf folglich nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Nichts erscheint zu übertrieben, als dass es nicht Realität werden könnte: „Dear Future Mom“, ein Spot, der Eltern von Kindern mit Down-Syndrom ermutigen soll, darf in Frankreich nicht im Fernsehen gezeigt werden. Gerichtliche Begründung: Der Spot könne auf Frauen verstörend wirken, die abgetrieben haben.
Hier stehen zwei Rechte gegeneinander: das tatsächliche Recht zu reden und das vermeintliche, nichts hören zu müssen. In meiner Jugend kursierte ein dummer Spruch: Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern, aber niemand hat die Pflicht, ihm zuzuhören. Heute ist daraus eine noch viel dümmere Realität erwachsen: jeder Hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern, solange sichergestellt ist, dass niemand sie anhören muss. So werden Meinungen jeder Art immer weiter aus der Öffentlichkeit verbannt. In diesem Licht gesehen bekommen positive Aussagen plötzlich einen Beigeschmack. Wenn ein Chor singt, man solle niemanden ausgrenzen, meint er, ich dürfe nicht sagen, dass ich gegen ausgelebte Homosexualität sei. Aus "grenze nicht aus!" wird: "Schweig!". Daher die stehenden Nackenhaare.
Da Meinungen an sich schlimm sind, setzt man sich nicht mit ihnen auseinander. Stattdessen bekämpft man die, die eine Meinung haben, als Ursache des Übels. Nicht für Abtreibung wird demonstriert, sondern gegen Abtreibungsgegner. Nicht für die Rechte Ausgegrenzter gehen die Leute auf die Straße, sondern gegen Rassisten. Brücken werden gebaut, um die gespaltene Gesellschaft wieder zu einen. Doch die Brücken sind verlogen: sie tragen nur Nackte, die ihre Meinung nicht mitnehmen. Jeder ist willkommen, solange er die Schnauze hält; die geeinte Gesellschaft ist meinungsfrei. Nur ein Chor ist erlaubt: der, in dem gegen Meinungen polemisiert wird. Und jeder, der mit anderen Menschen eine Meinung teilt, gilt als Populist.
Es herrscht Angst, und es ist die Angst von Weicheiern. Angemessen wäre es, mir in Diskussionen zu sagen, dass ich Blödsinn rede, und zwar aus folgenden Gründen: erstens, zweitens, drittens. Das bringt etwas. Doch was ist von Menschen zu halten, die es nicht ertragen, dass ich auch nur beginne, in ihre Richtung Einwände vorzubringen? Die bei der bloßen Möglichkeit in Panik geraten und da ein Gesetz gegen machen wollen? In „1984“ fällten wenigstens noch grausame Menschen die Urteile über Meinungsverbrechen, die wussten, was sie taten – heute sind es dümmliche Mimosen, die aus lauter Panik vor dem, was sie selbst tun, die Augen verschließen. Um nicht erkennen zu müssen, dass es um Meinungen geht, flüchten sie sich in die Idee, es seien Krankheitsbilder: der Begriff „Homophobie“ spricht Bände. Dass damit die absurde Situation entsteht, dass eine Angst strafbar gemacht werden soll, ist ihnen egal. Wenn nur die andere Meinung keine Meinung mehr ist, sondern eine Erkrankung, und damit auf jeden Fall falsch. Und wenn die eigene Meinung nur endlich hinter der Idee verschwindet, sie sei keine Position unter anderen, sondern alle Andersdenkenden seien einfach krank. „Homophobie“ schafft keinen Konflikt, sondern ist der verzweifelte Versuch, einen zu vermeiden.
Und alles, was da nicht mitspielt, wird in Panik niedergebrüllt, intellektuell verlacht, verachtet oder sonstwie auf Distanz gehalten. Denn was man selbst vertritt, ist nicht etwas, das man auch anders sehen könnte. Man selbst vertritt die vermeintliche Grundlage der Gesellschaft überhaupt, Gesundheit, Freiheit. Nur eines ist wichtig: keine Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, denn das ist gefährlich. Memmen! Sie folgen jedem, der ihnen erklärt, man müsse zu diesem oder jedem keine Meinung haben.
Ein anständiger Gegner hat eine Rüstung, doch innen ist er weich. So kann man ihn treffen und verwunden, doch man muss geschickt dazu sein. Und man kann die Rüstung ausziehen und sich mit ihm anfreunden. Die Gegner heute jedoch sind außen weich und offen für alles. Entsprechend werden sie von allem und jedem schwer getroffen und sind so verwundet, dass sie vor jeder Berührung Panik haben. Innerlich aber sind sie so verhärtet, dass sie nur noch äußerlich zu Freundschaften fähig sind. Mit ihnen zu ringen muss bedeuten, sie innerlich wieder weich zu machen. Irgendwie in den Bereich vorzudringen, in dem sie ihre Eigenschaften weggesperrt haben, um die Nicht-Eigenschaften nicht zu stören, wo sie ihr Geschlecht knechten, um ihr Gender vor Zweifeln zu schützen. Den ganzen anonymen Mitläufern der aggressiven Masse von Meinungsgegnern fehlt vor allem eines: Ermutigung zu sich selbst.
Das einzige, was wir tun können, ist, nicht nur zu unseren Meinungen zu stehen, sondern immer auch zu Meinungen an sich, seien sie nun unsere oder nicht. Kurz: zur politischen Freiheit zu stehen. Pluralismus können nur die garantieren, die ihr eigenes Singular zum Plural beisteuern und so die Idee als Unsinn entlarven, Vielfalt entstehe, wenn keiner mehr denkt. Mein Recht, dagegen zu sein, ist die Grundlage für andere, dafür zu sein. Wer es mir nehmen will, kann mir viel Ärger bereiten. Doch sich selbst nimmt er die Basis für Persönlichkeit.

Freitag, Dezember 09, 2016

Geht und vergrätzt alle Völker

Gerade auf Facebook einen kleinen kontroversen Thread über den Papst gefunden. Ein Statement mit 8 Antworten, die ich in Auszügen zitiere:

  • Fatal
  • Kommunist
  • Lügen
  • "stellt Grundsätzliches in Frage, damit Unklarheit entsteht"
  • Claqueure
  • Oberlehrer
  • stockkonservativ
  • anarchistischer Gleichheitsbegriff
  • "gehören zu den Piusbrüdern"
  • pathologischer Sozialpessimismus
  • Flegelkardinäle
  • Oberlehrer
  • demontieren das Lehramt
  • Kadavergehorsam
  • Unverschämtheit
  • absolute Frechheit
  • „Genauso haben die Linksliberalen auch immer argumentiert“
  • Spalter
  • denunzieren
  • „In jedem Unternehmen fliegen Sie raus“
  • „Sie wollen hier doch nicht ernsthaft“
  • illegitime Kritik
  • schlechtester Konservatismus
  • „nicht mehr danach fragt, worum es geht“

Das macht pro Beitrag 3 Entgleisungen. Alles im Namen des richtigen Glaubens, versteht sich.
Papst Benedikt hat aufgerufen, zu verkündigen. Ihr Lieben, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er damit Euch gemeint hat.

Donnerstag, Dezember 08, 2016

Brücken und ihre Erbauer

Jede Brücke besteht aus Pfeilern und dem Bereich, in dem sie frei trägt und etwas überspannt, dem Überbau. Bestünde sie nur aus Pfeilern, wäre sie keine Brücke, sondern eine Säulenreihe. Hätte sie hingegen keine Pfeiler und bestünde nur aus Überbau, wäre sie eine schlichte Straße. Ohne Pfeiler steht sie nicht, ohne Überbau ist sie nicht begehbar und erreicht nichts.
Dieses Prinzip lässt sich auf die Situation des Papstes übertragen, dessen Funktion bekanntlich die ist, der größte aller Brückenbauer zu sein. Und damit hat er es schwer, denn derzeit beäugen sich Pfeiler und Überbau äußerst misstrauisch.

Während den einen alles häretisch erscheint, was nicht selbst direkt auf dem Fundament befestigt ist, halten andere jede solide Gründung für überflüssig und betonen, es käme auf Reichweite an, nicht auf Standpunkte. Viele der Ersteren wittern Verrat am Fundament, sobald sie Brücke auskragt. Sie weisen dem Überbau nach, dass er unter sich keine Substanz hat, und vergessen, dass sie es sind, die ihn tragen. Viele Mitarbeiter des Überbaus hingegen würde am liebsten die Pfeiler von den Fundamenten abreißen, um sie waagerecht zu drehen und so noch etwas weiter zu reichen.
So schwächen sich beide Bereiche gegenseitig, anstatt zu erkennen, dass sie nur gemeinsam in der Lage sind, irgendjemanden zu erreichen. Der (schlechte) Witz ist, dass beide Fraktionen dasselbe erreichen oder besser: nicht erreichen, wenn sie versuchen, einen Fluss zu überqueren. Die einen bauen einen undurchlässigen Damm, der zwar überall sauber auf dem Grund steht, aber den Fluss nicht überquert, sondern staut. Der Fluss wird steigen und ihn überspülen. Die anderen queren den Fluss sehr schnell und reichen weit, liegen aber auf dem Boden und werden daher ebenfalls überspült. Diese sehr volksnah, die Dammbauer dafür auf höherem Niveau. Erreichen tun sie beide nichts.
Diesen Kampf zu beenden und wieder ein Verständnis für das Wesen von Brücken zu wecken versucht der Papst. Mit mäßigem Erfolg, sind doch beide Seiten bisher vor allem darauf aus, ihn für ihre Erkenntnisse zu vereinnahmen oder aufgrund ihrer Erkenntnisse abzulehnen. Heute werden große Brücken gebraucht, nicht Streitereien auf der Baustelle. Doch leider ist die Zeit noch nicht gekommen, in der die einen die anderen in Glauben und Gebet tragen und die anderen sich getragen wissen und sich, darauf vertrauend, weit hinauslehnen. Die Zeit ist noch nicht da, in der die einen die anderen nicht verurteilen, sondern unterstützen und bei Bedarf korrigieren: Achtung, die Sache beginnt zu kippen! Oder: Wir müssen noch weiter hinaus – verankert euch noch fester!

Die Dubia sind dabei ihrer Zeit voraus. Bei ihnen handelt es sich um einen Hinweis, was Pfeiler zu tragen in der Lage sind und wo es kippen könnte. Entgegen der verbreiteten Wahrnehmung sind sie keine Positionierung innerhalb dieses sinnlosen Kampfes, sondern eine Korrektur im Sinne des Brückenbaus. Jeder Versuch, sie gegen andere auszuspielen, dient weder der Sache, noch ist er im Sinn der vier Kardinäle. Hinweise wie diese wird es in einer aktiven Kirche immer wieder geben. Durchaus auch von anderer Seite. Doch die Arbeiter auf der Baustelle können nicht damit umgehen, weil sie nicht mehr das ganze Bauwerk sehen. Während die einen verkünden, alles breche zusammen, jubeln die anderen, dass die lästigen Pfeiler endlich kippen. Nichts dergleichen ist der Fall. Doch das Gebrüll der beiden Fraktionen, die bis in höchste Kirchenämter reichen, verhindert, dass der Papst reden kann. Er weiß, dass jede Stellungnahme sofort falsch interpretiert und vereinnahmt würde und er schweigt.
Sollte der Punkt kommen, an dem der Papst erst einmal den leidigen Kompetenzstreit beendet, bevor weiter gebaut wird – dann knallt es. Und jeder, der jetzt schreit, wird sich schlecht behandelt vorkommen, denn er wird verdonnert werden zu schweigen. Lieber nicht.

Montag, Dezember 05, 2016

Autsch!

"Wenn Jesus vergeben kann, muss ich es als Mensch doch auch können!"
Sagt der Chef der Bundesagentur für Arbeit und Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Wiese. (LINK)

Lieber Herr Wiese, diese Aussage beinhaltet derart viele Fehler, dass ich bestimmt die Hälfte übersehe.
Jesus ist also kein Mensch? Doch, ist er. Weihnachten bekommen Sie das noch einmal erklärt, wenn Sie in die Kirche gehen.
Was Jesus kann, müssten Sie auch können? Ja verflixt noch eins - es will einfach nicht klappen? Vielleicht beginnen Sie erst einmal mit etwas einfacherem als Vergebung. Auf dem Wasser gehen vielleicht.
Ihre Vergebung ist vergleichbar mit der Vergebung, die Jesus gab? Immerhin setzen Sie das gleich. Nun, da vergessen Sie einen kleinen Unterschied: Sie können das vergeben, was Ihnen angetan wurde, und zwar dem, der es Ihnen angetan hat. Jesus dagegen hat das vergeben, was irgendeinem Menschen angetan wurde, und zwar jedem, der Ihn bittet. Ihre Vergebung bringt etwas Frieden, die Vergebung durch Jesus bringt ewiges Leben. Um es klar zu sagen: wenn ich Ihnen auf die Füsse trete, können Sie mir das vergeben; Jesus hingegen kann allen Menschen vergeben, dass sie irgendwann irgendwem auf die Füsse traten (nach C.S. Lewis). Der hat einfach mehr drauf als Sie, auch wenn das vielleicht hart klingt. Das liegt daran, dass Er jeden Menschen mehr liebt, als dieser Mensch sich selbst, und Er daher stets der Hauptbetroffene ist.
Lassen Sie sich aber nicht demotivieren. Vergeben ist wichtig und nötig und gut. Nur die Annahme, man müsse das eigentlich können, ist, sagen wir, mutig. Und die Begründung, man müsse es doch hinkriegen, wenn doch sogar Jesus das konnte - hmm, gibt es unter den zahlreichen Fortbildungen Ihrer Agentur nicht irgendeine gute über christliche Basics? Das wäre doch was.

Sonntag, Dezember 04, 2016

4. Türchen, Betrachtungen


Betrachtungen von Papst Franziskus

Auszüge aus bisher unveröffentlichten persönlichen Ansichten eines Oberhirten.




Es ist eine Freude, die neuen bisher unbekannten Betrachtungen von Franziskus auf sich wirken zu lassen. Denn was könnte aufbauender sein, als auf diese Weise hineingekommen zu werden in die unmittelbare Nähe unseres Heiligen Vaters, den man so auf völlig neue Weise kennenlernt.
Vier Betrachtungen sind es, für jeden Adventssonntag eine. Nehmt Euch die nötige Ruhe und Zeit, damit die Betrachtungen das Herz und das Gemüt erreichen und erhellen können.
Und immer tiefer werden wir in das Geheimnis hineingeführt.

























  1. Am ersten Adventssonntag setzt man sich dem Blick des Geschehens aus, betrachtet es sozusagen frontal.
  2. Am zweiten Sonntag löst man sich von der eigenen Betroffenheit. Man tritt einen Schritt zur Seite und betrachtet so aus einer neuen Perspektive.
  3. Nun ist man darauf vorbereitet, an diesem Sonntag hinter die Dinge zu schauen, sozusagen die Rückseite der Medaille kennenzulernen. Sie ist nicht weniger faszinierend, wenn sie einen auch seltener anspricht.
  4. Am vierten Advent schließlich nähert man sich der Perspektive Gottes an. Von oben betrachtet scheint alles kleiner, aber nicht weniger wichtig. 
Echo Romeo wünscht allen ein wahrhaft erbauliches Betrachten und ein reich gesegnetes Weihnachtsfest.

Morgen erbaut uns Josef Bordat.